Konzept „Neue Arbeit, Neue Kultur“von Frithjof Bergmann

Der Deutsche Frithjof Bergmann (in Sachen geboren, in Österreich aufgewachsen, mit 19 Jahren in die USA gegangen) ist der Erfinder und Urheber von New Work (Neue Arbeit). In den 1980er Jahren entstand sein  Konzept „Neue Arbeit, Neue Kultur“ als Vision einer selbstbestimmten Gesellschaft. Zunächst in Kooperation mit General Motors. Nach jahrzehntelanger Praxis hat Professor Bergmann das Grundlagenwerk zu neuen Perspektiven der Arbeitsgesellschaft vorgelegt („Neue Arbeit Neue Kultur“; Arbor Verlag, 2008). Das ist sehr anders als das Bekannte, eine Alternative zu den bisherigen Gesellschaftssystemen (Sozialismus und Kapitalismus). Frithjof Bergmann gilt heute als „Vater“ der weltweiten New-Work-Bewegung.

Frithjof Bergmann  ist Professor für Philosophie und Anthropologie an der Universität of Michigan und berät neben Regierungen und Konzernen (wie General Motors) auch Jugendliche und Obdachlose.

Alternative zu den bisherigen Gesellschaftssystemen (Sozialismus und Kapitalismus) 

Mit seinem New Work Konzept reagiert Frithjof Bergmann auf die exponentiell ansteigende Arbeitslosigkeit der Zukunft, und auf die „vier Tsunamis“ der Gesellschaft:

  1. die „Schlachtspaltung“ zwischen unglaublichem Reichtum und mörderischer Armut,
  2. die Verschwendung unserer natürlichen Ressourcen,
  3. die Zerstörung unseres Klimas,
  4. die Vernichtung unserer Kultur.

Idee einer Neuen Arbeit dahin bringen, wo sie wirklich gebraucht wird: in die Betriebe, die Kindergärten, kleinen Einrichtungen.

Damit die Menschen davon profitieren, die einen wesentlichen Beitrag für die Gesellschaft leisten.

WARUM Neue Arbeit?

Wichtiger ist es, in den Organisationen nach dem „Warum“ dieser Arbeit hinter den starren Prozessen, Regelungen und Hierarchien zu fragen und damit „von unten“ an einer dringend notwendigen Veränderung der Arbeitswelt zu arbeiten.

Die Märkte haben sich geändert. Der Kunde hat die Macht, weil das Angebot größer ist als die Nachfrage. Die Märkte sind global, dynamisch und erfordern ständige Anpassungsprozesse, um im Wettbewerb Schritt halten zu können. Keiner kann mehr Regeln oder Verfahrensanweisungen für jede Situation festlegen. In erfolgreichen Unternehmen geht Dienst nach Vorschrift nicht mehr, da die Vorschrift zu schnell veraltet und nicht mehr passt.

  • Durch das System werden Menschen noch mehr ausgebeutet

Die Menschen existieren in der kapitalistischen Gesellschaft durch verfügbares Tauschmittel Geld, wofür sie ihre Arbeit bzw. Arbeitskraft gegen Lohn verkaufen müssen. Die Ausbeutung durch „Arbeitgeber“ erfolgt durch Lohnsklaverei („abhängig beschäftigt“). In dieser geldabhängigen Arbeitswelt geschieht ein Kampf gegen andere Menschen durch Konkurrenz und Mobbing (um Arbeitsplätze, Fortsetzungs-Projekt, Karriere, Lohnsteigerung). Dabei erfolgt letztendlich eine scheinbar freiwillige (kranke, weil nicht natürliche) Selbstausbeutung der Menschen:

*  Selbstausbeutung ihrer Lebenszeit durch unbezahlte, erzwungene Überstunden,

*  Selbstausbeutung ihrer Lebenskraft durch Mehr-Energie, weil man zur Job-Beschäftigung gezwungen wird (des Lohnes wegen), und nicht gern seine Arbeit macht bzw. machen darf.

„In den unteren Schichten tobt der Verteilungskampf. Die Menschen konkurrieren um Jobs, bezahlbare Wohnungen oder Zugangsberechtigungen für die Tafel. Die Angst, zu kurz zu kommen spaltet die Gesellschaft in „Wutbürger“ und „Gutmenschen“.(rtdeutsch.de)

*  Selbstausbeutung ihrer Gesundheit durch zunehmenden Arbeitsstress (Zeit- und Qualitäts-Druck, Anforderungserhöhung usw.)

  • Durch das System wird 90% der Arbeits-Zeit vertan

Mitarbeiter vertun 90 % ihrer Zeit mit Dingen, die nicht wertschöpfend sind, wie sinnlose Reportings, Datenpflege, Zeiterfassung, Mitarbeitergespräche usw. Sie sind durchaus beschäftigt, keiner sitzt däumchendrehend herum. Sie werden allerdings durch die Anforderungen des Unternehmenssystems von der wertschöpfenden Arbeit abgehalten.

  • Durch das System werden Arbeitende frustriert

Neu eingestellte Mitarbeiter beginnen meist hoch motiviert. Allerdings werden sie durch die Funktionsweise der Unternehmen frustriert, so dass sie – zunächst innerlich – kündigen und Dienst nach Vorschrift machen. Menschen passen ihr Verhalten den Systemen an, in denen sie arbeiten und leben. Das System der „Alten Arbeit“ frustriert in der heutigen Arbeitsumgebung.

Zielerreichungsprogramme können vielleicht den Umsatz des Unternehmens steigern, aber sie stärken nicht die Kooperation der Mitarbeiter untereinander oder den Willen zur sogenannten „Extra-Meile“ für das Unternehmen.

WIE kann die Arbeit der Zukunft aussehen?

Wesentliche Bausteine der Neuen Arbeit:

  • Im Zentrum der Neuen Arbeit steht die Arbeit, die ein Mensch „wirklich, wirklich will“,
  • die philosophischen Grundprinzipien,
  • die Lösungen der Neuen Arbeit,
  • die Realisierung mit Hilfe modernster Technologien.

Das Konzept „New Work“ basiert darauf, das frühkapitalistische System der Lohnarbeit zu ersetzen durch ein System aus drei Teilen

(1) Erwerbs-Arbeit (1/3),

Hintergrund der Entwicklung des Konzeptes ist die Feststellung, dass die „klassische“ Erwerbsarbeit insbesondere aufgrund der Automatisierungsprozesse zurück gehen wird. Um aber die Arbeitsplätze nicht gleich zu verlieren, sondern eine finanzielle Basis für alle zu schaffen, soll im Konzept ein Drittel aus der in Zukunft noch zur Verfügung stehenden klassischen Erwerbsarbeit bestehen. Damit werden auch Anschaffungen möglich, die nicht durch die eigene Herstellung (siehe Selbstversorgung) oder nachbarschaftliche Netzwerke erzeugt werden können.

(2) High-Tech-Self-Providing (Selbstversorgung, 1/3) 

Das zweite Drittel der zur Verfügung stehenden Zeit wird mit Selbstversorgung auf technisch höchstem Niveau zugebracht. Konkret geht es also nicht darum, ein paar Kartoffeln im eigenen Garten anzubauen. Es geht darum, mit den heute zur Verfügung stehenden technischen Möglichkeiten Dinge des täglichen Lebens (angefangen von der Kartoffel bis hin zu bspw. technischen Geräten) herzustellen. Hinzu kommt, dass sich die Menschen zunehmend verstärkt Gedanken um den tatsächlich sinnvollen Konsum machen, wodurch sich der Bedarf automatisch reduziert.

(3) einer Arbeit, die man wirklich, wirklich will (1/3).

Als dritte Säule der Neuen Arbeit steht die Arbeit, die die Menschen „wirklich, wirklich machen wollen“. Ausgehend davon, dass Arbeit grundsätzlich niemals endet, wenn man Arbeit als über das Lohnarbeitssystem hinausgehend definiert (bspw. Familie, Pflege, Garten, Landwirtschaft…), ist dieser Bestandteil des Konzepts „Neue Arbeit“ als wesentlich anzusehen. „Da Bergmann einen revolutionären Prozess zur Überwindung des Lohnarbeitssystems ablehnt, kann die Veränderung nur nach und nach erfolgen durch Menschen, die sich an dem orientieren, was sie wirklich, wirklich wollen und sich so allmählich unabhängiger machen vom Lohnarbeitssystem durch Selbstversorgung.“ (Wikipedia)

Ob die Neue Arbeit dabei so aussehen muss, wie von Bergmann ursprünglich angedacht, ob es Weiterentwicklungen sein können, ob vielleicht auch erstmal nur kleine Teile des Konzepts ausreichen, sei dahingestellt. Hier muss experimentiert werden.

„New Work als elitärer Scheiß“ (Hendrik Epe)?

Gretchenfrage: Wie kommt die New Work nun massenhaft in die heutige Arbeitswelt? Oder bleibt es eine Droge, Religion oder etwas Elitäres.

9 Punkte, das brave New Work in “Brave New Work” zu transzendieren – #bravenewwork

Die HR als Nukleus der Brave New Work Bewegung?

Kann die HR die New Work Revolution beginnen und erfolgreich zu Ende bringen? Kann sie der Führung gefährlich im zukunftsfähigen Sinne werden?  – Vor allem: Wofür steht die HR? Und zwar in den Augen aller Mitarbeiter – nicht ihren getrübten eigenen.

– Brave New Work Checklist für HR und Unternehmensführung

  1. Spricht die HR auf Augenhöhe mit dem Vorstand? Ist sie Mitglied des höchsten Entscheidungsgremiums? Hat sie eine Stimme im Unternehmen, wird sie von allen ernstgenommen?
  2. Versteht die HR Business Model und Business des Unternehmens? Wie sonst sollte sie jemandem das Wasser reichen, geschweige revolutionär agieren?
  3. Ist die HR eines der ‘Reservate’, in denen ‘die Wilden’, die Unangepassten leben, die unbeeinflusst vom Soma klar denken können? Gar noch ‘wirkliche Gefühle’ für die Menschen im Unternehmen haben?
  4. Kann die HR mit der Führung zum Wohle aller Mitarbeiter kämpfen? Traut sie sich (das zu)? Oder ist sie bloßer Erfüllungsgehilfe der Führung?
  5. Leben HR-Führung und komplettes Team in der Zukunft? Nicht in Vergangenheit, Prozessen, Formularen, Bürokratismen, ihrer angestammten Comfort Zone! Liebt und lebt die HR Agility und Innovation?
  6. Zieht die gesamte HR an einem Strang? Oder konterkariert und boykottiert die Mehrzahl dort die Bemühungen einer nur kleinen Avantgarde?
  7. Hat die HR eine relevante Vision und Mission für das Unternehmen und darüberhinaus? Wird sie das gesamte Unternehmen und jeden einzelnen Mitarbeiter ganzheitlich voranbringen?
  8. Hat die HR die quantitativen und qualitativen Ressourcen für Change und Change Management, für Digitalisierung und Transformation?
  9. Hat die gesamte HR den Mut, die Stamina und Resilienz, allen Mitarbeitern und dem Unternehmen als Ganzes nachhaltig und langfristig voranzugehen?

Nur dann werden aus diesem aktuell in der Breite sehr braven New Work Ansatz und entsprechender Protagonisten mehr relevante, mutige und bescheidene Brave New Work HeroInnen wie Phoenix aus der Asche emporsteigen können. Die, die eben wirklich verstanden haben und einfach machen. (Zitierquelle: leadculture.wordpress.com)

Prof. Dr. Frithjof Bergmann auf der XING New Work Experience 2017

Videokommentar:

„Der Erfinder und Urheber von New Work, Frithjof Bergmann, hielt auf der New Work Experience 2017 in Berlin eine sehr bewegende Key-Note zu seinem Verständnis der neuen Arbeitswelt. Das Publikum wollte ihn gar nicht von der Bühne gehen lassen und feierte ihn mit Standing Ovations.“

Frithjof Bergmann: Neue Arbeit, Neue Kultur

Amazon-Buchbeschreibung:

Wie kann die Arbeit der Zukunft aussehen? Nach jahrzehntelanger Praxis legt Frithjof Bergmann nun endlich das Grundlagenwerk zu neuen Perspektiven der Arbeitsgesellschaft vor. Sein Gegenvorschlag zu dem gängigen Arbeits- und Lebensmodell hat mittlerweile unter dem Titel „Neue Arbeit“ weite Kreise gezogen.
Wir leiden nicht nur an schwindenden Arbeitsplätzen, sondern vor allem auch an dem, was der Philosoph Hegel „die Armut der Begierde“ nannte. Gemeint ist damit die Unfähigkeit, Wünsche zu äußern und eigene Projekte zu realisieren. Nicht zuletzt deshalb klammern wir uns an Jobs, die nicht nur unseren Lebensunterhalt, sondern auch unseren Platz in der Gesellschaft sichern – selbst dann, wenn sie unbefriedigend sind. Und wir verzweifeln übermäßig, wenn wir sie verlieren. Um Abhilfe zu schaffen, müssen wir uns mehr auf das besinnen, was wir „wirklich wirklich wollen“. Bergmann spricht von Berufung und meint sowohl gesellschaftliche als auch unternehmerische Aktivitäten. Zudem hält er die Menschen an, sich zumindest teilweise vom Zwang des Geldverdienens zu befreien, indem sie stärker auf Selbstversorgung als auf Konsum setzen. Der Visionär aus den USA denkt dabei unter dem Stichwort „High-Tech-Self-Providing“ vor allem an die Selbstversorgung unter Nutzung aktueller technologischer Möglichkeiten. Neue Arbeit, neue Kultur ist ein Appell sich mit Alternativen zur klassischen Lebens- und Arbeitswelt auseinander zu setzen und die Impulse für den eigenen Erfolg zu nutzen.

  • Gebundene Ausgabe: 360 Seiten
  • Verlag: Arbor (5. Januar 2004)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 392419596X

Dieses Werk ist eine detaillierte und fundierte Analyse der weltweiten Wirtschaftslage. Bergman zeigt klar auf, wie krank dieses heutige System aufgrund des Kerns des Lohnarbeitssystems ist. Die gegenwärtige Situation der Wirtschaft können wir nicht mit einigen kosmetischen Korrekturen wieder in Ordnung bringen, weil grundlegende Webfehler uns in ein Dilemma führten.

Bergmann vermittelt viele neue Impulse für eine neue Sichtweise auf Wirtschaft und Gesellschaft.

Es geht darum, unsere Arbeit in der Zukunft menschlicher und sinnvoller zu gestalten.

Für die Arbeit, die „wir wirklich, wirklich wollen“, beschreibt er konkreten Handlungsspielraum für jeden Menschen.

Anhand von vielen Praxisbeispielen erläutert er die konkrete Umsetzung bereits gelebter „Neuer Arbeit“.

  • Er beschreibt wie Menschen neue Unternehmen gründen, sich interdisziplinär zusammenschließen, qualifizieren und neue Technologien auch für sich nutzen.
  • Kernanliegen ist aber dabei immer, dass die Menschen wirklich das tun, was sie wirklich tun wollen.
  • Aber nicht nur Arbeit mit hohem technischen Anspruch werden praktiziert, sondern auch ganz konkrete Projekte von Menschen, die im Elend leben. So z.B. verschiedene Sozialprojekte in Randgruppenbereichen.
  • Die Neue Arbeit kann wirklich in allen Lebensfeldern fruchtbar sein. Der Mensch an sich „müsse finden, was er wirklich, wirklich ernsthaft wolle“. So finden arbeitslose Menschen wieder Arbeit in Aufgabengebieten, die sie zwar nicht gelernt, aber wirklich, wirklich machen wollen.
  • Bergmann beschreibt eine große Vielfalt von Wirtschaftsformen, die bisher bereits umgesetzt oder kurz vor der Umsetzung stehen: von Einmannbetrieben und Unternehmern aus Wirtschaft, Kunst und Technik, bis hin zu neuen Industriezweigen.
  • Er beschreibt den Weg, den jeder selber gehen muss, um seine eigene Neue Arbeit zu finden und deren Früchte ernten zu können.

Dieses Konzept würde mehr und schneller bezwecken, was Hartz IV und viele andere Arbeitslosenprogramme (angeblich) versuchen: Den Menschen wieder die Arbeit zu verschaffen, welche sie wirklich, wirklich wollen!

New Work ist  

  • ein Klammerbegriff für die tiefgreifende Veränderung in der Arbeitswelt
  • einen Aspekt der Wirtschaft, der uns zwingt zur Auseinandersetzung und der uns zwingst selbst zu denken

TdU Frithjof Bergmann: Neue Arbeit, Neue Kultur

Prof. Frithjof Bergmann – Keynote – Entrepreneurship Summit 2009

Neue Arbeit kompakt: Vision einer selbstbestimmten Gesellschaft

Amazon-Buchbeschreibung:

Ein kurzes, präzises und lebendiges Porträt der Neuen Arbeit in Theorie und Praxis.
Frithjof Bergmann bringt hier sein Konzept der Neuen Arbeit erstmals in ungewohnt knapper Schilderung auf den Punkt. Gemeinsam mit Stella Friedland ist es ihm gelungen, das Potential dieser neuen Lebens- und Arbeitskultur in kompakter Form zu fassen.
Dennoch entzieht sich Neue Arbeit immer wieder einer Festlegung. Dies vor allem, da sie sich im Laboratorium ihrer Projekte ständig weiterentwickelt. So ist die zweite Hälfte von „Neue Arbeit kompakt“ den Projekten der Neuen Arbeit im deutschsprachigen Raum gewidmet. Denn nur hier, in der praktischen Umsetzung, finden sich die Antworten auf eine der drängendsten Fragen, die der Neuen Arbeit gestellt werden: „Wie soll das denn konkret gehen?“
Akteurinnen, Weggefährten, Forscher, Sozialpioniere und Gestalterinnen stellen im Dialog ihre eigenen Wege der Neuen Arbeit vor. Die Gespräche mit ihnen zeigen deutlich, wie sehr diese neue Art des Lebens und Arbeitens Raum greift und dass sie bereits heute weit mehr ist als eine bloße „Idee“ oder „Vision“. Neue Arbeit ist eine lebbare Realität. Eine – und das kann nicht oft genug betont werden – lebbare Realität schon hier und jetzt!

  • Taschenbuch: 153 Seiten
  • Verlag: Arbor (30. Juni 2007)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3924195951

 

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