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Der deutsche Querdenker und Philosph Richard David Precht mit Vorstellungen über ein neues Gesellschaftskonzepts

Wikipedia zu Richard David Precht

  • Die Digitalisierung der Arbeitswelt werde Millionen Arbeitsplätze kosten. künstlich-intelligente Maschinen und Roboter werden mehr Arbeit für die Menschen erledigen und damit auch den Menschen arbeit wegnehmen. Eine Studie aus Oxford sagt einen riesigen Verlust von Jobs durch die Digitalisierung voraus – bis zu 47 Prozent in den USA.

Besonders betroffen ist der Bereich der mittleren und zum Teil auch der höheren Dienstleistungsberufe: Beispiele:

(1) Banksystem: Geldüberweisgung ohne Bankpersonal (und ohne Bank direkt mit dem Partner)

(2) Autos: „Das selbstfahrende Auto wird die deutsche Automobilindustrie, als die wir sie bislang kennen, regelrecht vernichten, und zwar aus dem einfachen Grund, weil die Verkehrskonzepte der Zukunft so aussehen werden, dass – jetzt muss man wieder vorsichtig bei Zahlen sein, sei es in zehn, sei es in 15 Jahren – in unseren Städten Sie mit Ihrem Auto gar nicht mehr fahren dürfen, denn das selbstfahrende Auto und das Auto, das Sie fahren, sind nicht kompatibel. Das heißt, genauso war das, als irgendwann mal die Automobile aufkamen … Und Sie werden sehen, dass der allmächtige ADAC völlig ohnmächtig gegenüber solchen Entwicklungen ist.“ „… das bedeutet einen Verlust von zwei Millionen Arbeitsplätzen in der Automobilindustrie einschließlich der Automobilzulieferindustrie.“ 

  • Globale Technik-Einführung: „über das Smartphone hat es nie eine Abstimmung gegeben, auch nicht übers Handy.“  …. „Das ist eine globale Entwicklung, die ist nicht für Deutschland gemacht worden, die ist für die ganze Welt gemacht worden. Das selbstfahrende Auto löst die Verkehrsprobleme von Köln und die von Berlin, aber in erster Linie die von Bangkok und von Schanghai. Das ist eine globale Entwicklung, und da kann man nicht in Deutschland als einziges Land sagen, wir bauen eine Mauer drum…“
  • Digitale Supermächte mit technokratischer Diktatur dieser Mächte,: „Und dieser technische Fortschritt wird ja nicht auf demokratischem Wege erzeugt, indem die Leute alle sich zusammensetzen und darüber nachdenken oder wählen oder abstimmen, welchen technischen Fortschritt sie wollen und welchen sie nicht wollen, welche Menschheitsprobleme sie gelöst haben wollen und welches für sie gar keine sind. Das findet ja nicht statt, sondern der technische Fortschritt wird von kommerziellen Unternehmen vorangetrieben. Und diese kommerziellen Unternehmen bekommen eine irrsinnige Macht und Kontrolle natürlich dadurch, dass sie die ganzen Daten der Menschen bekommen und vieles andere mehr. Es entstehen digitale Supermächte, und diese digitalen Supermächte, denen kann völlig egal sein, wer unter ihnen in Deutschland Bundeskanzler ist oder amerikanischer Präsident. Und eine solche Machtfülle ist grundsätzlich nicht gut, ich glaube, darüber lässt sich sehr schnell Einigkeit erzielen.“
  • Fatale Folgen für die Gesellschaft: Die Wirkungen dessen sind fatal in einem Gesellschaftssystem, daß auf Arbeit beruht, auf Arbeit-Habende und Arbeitslose – besser: Lohnarbeit, lohnabhängige Arbeit. Wenn massenhaft durch Technik Arbeit wegfällt, gäbe es massenhaft Arbeitslose und damit „Verlierer“ des Gesellschaftssystems.
  • Die einzige Lösung ist ein neues Gesellschaftssystem! Aber: Das bringt eine Herausforderung, der sich die Gesellschaft nicht einmal ansatzweise gestellt hat. Alles, was wir für selbstverständlich hielten, hat keinen Bestand mehr. Es beginnt eine neue Epoche.  Wir stehen vor einem gewaltigen Umbau der Gesellschaft – viele wissen davon, spüren es, glauben es aber nicht, weil die kommenden Veränderungen zu grundsätzlich und gewaltig sind
  • Schaffen einer realistische Utopie (morgen wird alles besser sein), keine Retropie (früher war alles besser). Angststillstand und Verweigerung gesellschaftlicher Zukunftsmodelle  (in der Politik) muß überwunden werden. 4 oder 5 große, globale Monopole mit einer nie dagewesenen Macht- und Reichtumskonzentration wollen dann die Welt steuern. Davor kann man berechtigt Angst haben. Im Moment gibt es keine auf Zukunft gerichtete Politik, nur eine „Diktatur der Gegenwart über die übrige Zeit“. Stattdessen Angst vor der Hölle der digitalen Welt. Und wenn wir das nicht wollen, müssen wir definieren, was wir wollen. „Wir versuchen im Moment, den Arbeitsmarkt von gestern mit einem Mindestlohn zu stabilisieren. Gutverdienende Piloten streiken, um ihre Privilegien zu sichern, bevor in zehn Jahren kein einziger Pilot mehr ein Flugzeug fliegt. Was wir im Augenblick machen: wir dekorieren auf der Titanic die Liegestühle um.“ (Richard David Precht)
  • Verhindern einer Zweiklassengesellschaft zwischen Arbeit-Habenden (Oberschicht) und Arbeitslosen (Unterschicht), für die keine Arbeit mehr da ist.
  • Qualitatives Wirtschaft: Irgendwann muß Wirtschaft an einen Punkt kommen, wo sie nicht mehr gezwungen ist, quantitativ zu wachsen. Qualitatives Wachstum soll weiter ermöglicht werden: Bildungswachstum, Produtkverbesserung. Der Kuchen muß dadurch nicht größer sein, sondern besser verteilt.
  • Arbeit: „Arbeiten werden die Menschen auch in Zukunft. Aber sie werden es vielleicht nicht mehr für Geld tun, und sie werden es vielleicht nicht mehr für eine Firma tun und sie werden es nicht mehr in einem Angestelltenverhältnis tun.“ (Richard David Precht)
  • Hochqualifizierte Arbeiten: Nach der 4. industriellen Revolution wird der größte Teil der schweren und stupiden Arbeit nicht mehr von Menschen gemacht werden. Nur noch Hochqualifizierte werden die Prozesse der künstlichen Intelligenz steuern. Die Hälfte der Arbeitsplätze fällt dabei schon in den nächsten 20 Jahren weg.
  • Soziale Arbeit:  „Was übrig bleibt, werden die Jobs sein, in denen Menschen lieber mit Menschen zu tun haben, im Kindergarten zum Beispiel oder in der Schule. Auch in Zukunft werden unsere Kinder nicht von Robotern unterrichtet. …Es wird auch noch Lehrer geben. Also die Schulen werden sich massiv und stark verändern, aber es wird nicht dazu führen, dass man von Robotern unterrichtet wird.  (Richard David Precht)
  • Umwelgestaltende Arbeit: „Es wird auch noch Gärtner geben.“ (Richard David Precht)
  • Wechsel der Arbeiten: Menschen gehen in der Zukunft hin und her zwischen qualifizierten Jobs und selbstbestimmter Tätigkeit.
  • Bedingungsloses Grundeinkommen: „Es ist nämlich an einer Massenverelendung und an einem Abbau der Sozialgesetzgebung, die dazu führt, dass die Leute am Ende alle nur noch Wanderarbeiter sind, Wanderarbeiter im Netz vielleicht. die Folge wird sein, dass die Staaten aus diesem Grund – und zwar aus diesem Grund und aus keinem anderen – ein bedingungsloses Grundeinkommen einführen werden, ein bedingungsloses Grundeinkommen, das verhindert, dass die Kaufkraft sinkt, soziale Unruhen ausbrechen. Oder, aus der Logik des Silicon Valley gedacht, der Datenhandel ist nur unter einer Bedingung ein lukratives Geschäft: dass derjenige, dem ich meine gezielte Werbung auf den Computer lade, dass der in der Lage ist, diese Produkte auch zu kaufen. Also die Daten eines Armen sind wertlos, und die ganze Datenökonomie funktioniert irgendwann nicht mehr, wenn zu viele arbeitslos sind und kein bedingungsloses Grundeinkommen eingeführt wird.“ (Richard David Precht)
  • Umverteilung des Wohlstandes nach neuem Muster:

(1) Besteuerung: Nicht Arbeit besteuern, sondern jegliche Form von Finanzverkehr

(2) Gerechtigkeit: Über eine Steuer des Finanzverkehrs könnte man Gerechtigkeit herstellen

  • Ein gewaltiger Umbau der Gesellschaft ist erforderlich.

(1) Verlangt eine völlig Veränderung im Bildungssystem

(2) Erfordert eine Gesellschaft mit hoher intrinsischer Motivation, weil die Menschen in einem hochkomplexen Lebenssystem ihr Glück nicht abhängig machen von Belohnungen von außerhalb (Lohntüte, Karriere).

  • Befreiung von entfremdeter Arbeit.  Dieser Menschheitstraum könnte wahr werden: „Die Befreiung des Menschen von der entfremdeten Arbeit. Das ist ein alter Menschheitstraum, eine positive Utopie: Arbeit als das zu definieren, worin Sie selber vorkommen und nicht als das, wofür Sie Geld kriegen.“ (Richard David Precht)
  • Angst vor Überfremdung und Entfremdung durch globalisierte Digitalisierung

„Die Leute haben Angst vor einer zukünftigen Entwicklung, in der durch die Globalisierung alles in die Breite geht, also den ganzen Globus umfasst, nicht mehr klar ist, was ist noch Deutschland und was ist ein Volk und wer gehört wohin, und die durch die Digitalisierung eine unglaubliche Angst haben vor der Beschleunigung und vor der Entfremdung. Also Überfremdung und Entfremdung sind beides sozusagen geahnte Szenarien, man merkt, die Erde kriegt Risse, man merkt, das alte Deutschland geht nicht weiter, das alte Frankreich geht nicht weiter, das alte Holland geht nicht weiter, und in dieser Situation wollen die Menschen die Decke übern Kopf ziehen und sagen, wir müssen wieder zurück. Aber in der Geschichte der Menschheit gibt es kein freiwilliges Zurück, und wir sollten diese ganze Energie darauf richten, zu sagen, wie können wir das so gestalten, dass möglichst viele ein gutes Leben davon haben und nicht der Worst Case eintritt.“ (Richard David Precht)

  • Die Gesamtintelligenz zur Einführung dieses Gesellschaftsmodells fehlt: „Wir haben keinen Supervisor im Hinblick auf die ökonomische Entwicklung. Also es gibt im Grunde genommen keine politisch-ökonomische Gesamtvernunft, die sagt, das und das und das kommt, und jetzt müssten wir die und die und die zukunftsfähigen Weichen stellen, damit Deutschland auch enkeltauglich bleibt, damit wir später in einem Land leben, in dem unsere Kinder und unsere Enkel noch sehr gut aufwachsen können – das fehlt, das ist einfach überhaupt nicht vorhanden.“ (Richard David Precht)

Ressourcen:

Die Zukunft der Arbeit: „Wir dekorieren auf der Titanic die Liegestühle um“