Dr. Rüdiger Dahlke ist einer der wichtigsten Vertreter der Psychosomatik bzw. psychosomatischen Medizin

Er ist einer der besten Ärzte und Psychotherapeuten der Gegenwart.

Er ist einer, der gut durchschaute, wie Leben und Gesundheit wirklich ist.

Und er ist ein hervorragender Redner und Erklärer.

Aus dem neuen „Krankheit als Symbol“ – zum Verhältnis von Psyche und Soma, Seele und Körper –

Einführung in die Krankheitsbilder-Deutung  

Grundlagen und Grundbegriffe der Integralen Medizin

Psychosomatik, Heilung

Psyché ist das griechische Wort für Seele und steht hier nicht zufällig an erster Stelle; soma bedeutet Körper – die Psyche geht dem Körper voran. Es gibt mittlerweile genügend wissenschaftliche Belege für die überwiegende Bedeutung der Seele. Von einhundert Rauchern bekommen statistisch gesehen nur zwei ein Bronchialkarzinom. Demgegenüber haben von einhundert Menschen in der zweiten Lebenshälfte ein Jahr nach dem Verlust ihres langjährigen Partners über sechzig Krebs. Davon reden wir selten, während die Raucher ständig Gesprächsstoff sind. Materielle Ursachen zählen einfach mehr in einer materialistischen Gesellschaft. In Wirklichkeit wirken die stärksten bekannten Kanzerogene des Zigarettenrauchs jedoch deutlich schwächer als das seelische Verlusterlebnis.
Wie sehr die Seele im Duett der Psycho-Somatik dominiert, zeigen auch neue Forschungen zur Wirkung von Placebos. Ob ein Kniegelenk tatsächlich operiert oder die Operation nur vorgetäuscht wurde, spielte in einer dieser Aufsehen erregenden Studien gar keine Rolle; das Ergebnis war in beiden Fällen gleich. Die Heilung ohne Operation konnte nur auf die Seele zurückgehen. Wie groß der Anteil der Seele an der Heilung mit Operation immer noch war, bleibt unbestimmt. Er könnte sehr groß sein, denn die Seele schafft es ja offenbar auch ganz allein, sofern der Glaube nur stark genug ist. Solche Studien sind letztlich ein Beleg für den Bibelsatz, dass der Glaube (ganz materielle) Berge versetzen kann. Was bei der Operation wirkt, ist das „Ritual“, und zwar beide Male. Wahrscheinlich ist die Ritualwirkung bei allen medizinischen Eingriffen insgesamt viel größer, als wir uns heute träumen lassen.
Unsere Seele reagiert auf Rituale. So dürfen wir bei dieser Faktenlage sowohl Ritual als auch Seele nicht mehr unterschätzen und sollten uns klarmachen, wie gefährlich beider Schattenseiten werden. Denn alles ist Ritual und kann auch ganz unbemerkt wirken und zum Beispiel zur Angstquelle werden. Moderne Medizin beschwört gefährliche Missverständnisse herauf, wenn sie den Ritualcharakter verkennt. Patienten befinden sich beim Arzt in einer besonderen Situation, in der schon kleinste Zeichen wie ein Stirnrunzeln oder bedenkliches Kratzen am Kopf größte Wirkungen zeitigen und zu schlimmen Ängsten führen können. Andererseits werden wir in hoffentlich naher Zukunft die große Kraft des Rituals auch positiv nutzen. In Gesprächen mit Professor Raimund Jakesz, Chirurgiechef an der Universitätsklinik Wien, wurde mir klar, dass dort die Zukunft schon begonnen hat und zum Beispiel im Operationssaal Stille und ein Bewusstsein für das Ritual herrschen.
Psychosomatik sieht also die Seele an erster Stelle, erkennt ihre Kraft und Macht und nimmt diese ernst – den Körper an zweiter Stelle aber nicht weniger. Es geht nicht um „Psychik“, sondern wirklich auch um Soma, den Körper, das Haus, in dem die Seele lebt.
Das Weltbild der in diesem Nachschlagewerk dargestellten Psychosomatik ist das der Integralen Medizin und ganzheitlich. Es bedeutet, stets den ganzen Menschen und nicht etwa nur einzelne erkrankte Teile oder Organe im Auge zu haben. Schon Platon wusste, wo ein Teil krank ist, ist das Ganze krank. Und selbst ein leidenschaftlicher Schulmediziner wie David Agus sieht den Organismus inzwischen als System, in dem alles mit allem zusammenhängt. Sprüche wie „die Niere von Zimmer 14“ sollten also der Vergangenheit angehören.
Unser Ziel ist Heilung im ursprünglichen Sinn, was keinesfalls durch Unterdrücken von Inhalten oder Wegschneiden von Teilen, sondern nur durch Integration zu erreichen ist. Heil meint vollkommen und ganz, letztlich auch integer, weil alles integriert ist. Heilung erlebt, wer vieles und letztlich alles zusammenbringt. Schlussendlich muss alles beisammen sein. Das wird auch umgangssprachlich etwa mit „Du hast sie wohl nicht alle!“ oder „Hast du noch alle beisammen?“ ausgedrückt. Nur wenn alles zusammenkommt, kann letztlich Heilung geschehen, nur auf einem integrierenden und zwingend integren Weg ist es möglich, vollkommener und schließlich sogar heil zu werden. Der Weg, über Krankheitsbilder herauszufinden, was uns fehlt, um es zu integrieren, wird diesem umfassenden Anspruch an Heilung gerecht.
Da Heilung eben niemals durch Wegschneiden oder Unterdrücken erreichbar ist, sondern nur durch das Gegenteil, ist die alte Frage „Was fehlt Ihnen?“ so wichtig, die der Arzt seinem Patienten stellt. Dieser antwortet mit dem, was er hat und loswerden will, nämlich mit Symptomen. Aus diesen Symptom-Bildern gilt es zu erkennen, welche Lebensprinzipien darin zum Ausdruck kommen und in den Schatten und damit in den Körper gesunken sind. Ist das Lebensprinzip oder die Mischung derselben gefunden, lässt sich von der unerlösten kranken auf die erlöste gesunde Ebene schließen. Herausforderung und Aufgabe der Krankheitsbilder-Deutung ist es, diese erlöste Version ins Leben zu integrieren. Wo das gelingt, geschieht ein Stück echter Heilung. Wenn es schon im Vorfeld passiert, ist es echte Vorbeugung.

Auszug aus Der 1. Teil des 1. Kapitels der Einleitung

Krankheit als Symbol: Ein Handbuch der Psychosomatik. Symptome, Be-Deutung, Einlösung

  • Gebundene Ausgabe: 784 Seiten
  • Verlag: C. Bertelsmann Verlag; Auflage: 15. Auflage (11. Oktober 2007)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3570122654

Dr. Rüdiger Dahlke – Krankheit als Sprache der Seele