Gerhard Gundermann („Gundi“) –  21. Februar 1955 in Weimar; † 21. Juni 1998 in Spreetal

  • Der „Baggerfahrer und Rockpoet“ aus der DDR
  • Der „ostdeutsch-russisch Volkstümlerhafte“ (Frank Castorf)
  • Der Wladimir Wyssozki aus der DDR
  • Einer der facettenreichsten Musiker Ostdeutschlands
  • Gundermann machte typische DDR-Musik: Kombination von gekonntem Musikhandwerk mit guter Lyrik und tieferen inhaltlichen Aussagen.
  • Gundermann war authentisch, ging seinen Weg und sang aus dem Leben heraus

Gerhard Gundermann war Musiker, Texter und Kumpel aus dem Braunkohlentagebau der Lausitz

Gundermann ging aus der DDR-Singebewegung beim Singeklub Hoyerswerda alias „Brigade Feuerstein“ hervor. Ab 1986 war er solo als Liedermacher aktiv, 1987 gewann er beim Chansonwettbewerb der DDR, 1988 erschien seine erste LP auf Amiga.

Gerhard Gundermann: »Der Großversuch ist gescheitert, aber niemand verbietet uns, im Kleinversuch weiterzumachen.«

Gundermann sprach das ostdeutsche Lebensgefühl an

  • „In spröden Versen artikulierte er ein typisch ostdeutsches Lebensgefühl.
  • r war durchaus nicht so, wie man sich einen Rockmusiker vorstellt. Er trank keinen Alkohol, ernährte sich vegetarisch und war von der verkoksten Boheme des Westens nicht nur räumlich weit entfernt. Wenn die Ostdeutschen, wie es scheint, die größte kulturelle Minderheit im Lande sind, so war Gerhard Gundermann ihre Stimme – allerdings kaum Richtung Westen, wo er nahezu unbekannt blieb.
  • Seine Lieder über niedergehende Industriereviere, über Vor- und Nachwendepolitiker, über Hoffnungen, Träume und Irrwege fanden nicht selten ein geradezu andächtiges Publikum, von der Zahnarzthelferin bis zum Intellektuellen. Ihnen brauchte sich der Sänger nicht anzubiedern, denn er gehörte sichtlich zu ihnen – wie viele von ihnen und zwei seiner Kinder wurde auch er nach der Wende arbeitslos.
  • Kaum ein anderer Künstler hat die Enttäuschung vieler Ostdeutscher nach der Vereinigung in so prägnante Verse gefaßt wie er: „Du hast mich auf dein Traumschiff mitgezottelt / doch ich kann dich nicht mehr leiden / du drückst mich an dein Herz aus Stein / Und ich sollte dankbar sein.“
  • Gundermann graute davor, „daß weltweit amerikanische Plastikträume zur eigentlichen Sehnsucht der Völker hochstilisiert werden“. Doch die flache Ostalgie-Welle war ihm auch suspekt, schon vor der Wende mahnte er DDR-Künstler, „keine mechanische Front zu ziehen zwischen Osten und Westen“.
  • Eigenwillig, oft stur und trotzig waren seine Lieder. Gundermann zählte sich zu jener „übersprungenen Generation“ der jetzt 30- bis 45jährigen im Osten, die weder in der Honecker-DDR noch in der vergrößerten Bundesrepublik zum Zuge gekommen war.
  • Als naiver Idealist, der „Soldat der Revolution“ sein wollte, ging Gundermann mit 18 Jahren zur Offiziersschule. Wie viele seiner Altersgenossen im Westen schwärmte er von Ché Guevara und dem Vietcong. …
  • Das Scheitern der Hoffnung, der reale Sozialismus lasse sich reformieren, und der Untergang des kleinen Landes DDR gingen Gundermann zu Herzen. Ihn schmerzte, daß die Ostdeutschen sich ihre „Souveränität abkaufen“ ließen. …
  • Oft wehte durch seine Nachwendelieder eine befremdliche Todessehnsucht. Mal säuselte er vom „Sensenmann“ und vom „allerletzten Schuß“, mal vom „schwarzen Trichter“, in den er einmal fallen würde. Auf seiner letzten CD „Engel über dem Revier“ sang er davon, daß ihn, der durch die Schließung seines Tagebaubetriebs 1997 die Arbeit verlor, sein „Schutzengel“ verlassen habe – und die „silbernen Gucklöcher im Himmel“ seien zugewachsen.
  • Frank Castorf, Intendant der Berliner Volksbühne, hat Gundermann einmal etwas „ganz eigen ostdeutsch-russisch Volkstümlerhaftes“ bescheinigt. Das war genau beobachtet. Auch wenn er Bruce Springsteen verehrte und im Vorprogramm von Bob Dylan und Joan Baez bei deren Gastspielen im deutschen Osten auftrat, war Gundermann die russische Spiritualität vertrauter als der westliche Zeitgeist.
  • Er schwärmte von früheren Konzertreisen durch Rußland, von improvisierter Technik und dem begeisterten Publikum junger Russen. Gundermanns oft traurige, tragikomische, ausweglose Verse erinnern im Grundton an den russischen Barden Wladimir Wyssozki. Wyssozki, wie Gundermann ein spöttisch-sensibler Sohn des späten Sozialismus, ist 1980 gestorben – fast im gleichen Alter (42) wie der Deutsche und, wie dieser auch, an Herzversagen. (Spiegel.de)

Er war Rockmusiker und Liedermacher mit vielen musikalischen Seiten.  

Er war einer der facettenreichsten Musiker Ostdeutschlands.

„Von oft leicht melancholischen Balladen, oft leicht melancholisch, über handwerklich gut gemachten Folkrock bis zum Hardrockstück beherrschte er sein Handwerk. Und alles mit Texten, die wahrlich Tiefgang haben und das Zeitgeschehen mal bitter mal ironisch, aber immer treffend spiegelten.

Die Arrangements unterstützt durch namhafte Musiker, wie Haßbecker und Barton von Silly – sind handwerklich überzeugend und wirklich gut gemacht.

Jemand hat ihn mal als „Springsteen des Ostens“ bezeichnet. Ich weiß nicht, ob das wirklich paßt. Aber, abgesehen davon, daß Springsteen sein großes Vorbild war, sind sich auch ihre Musikstile und ihr Arbeitspensum auf der Bühne recht ähnlich.“

Manche müssen bei seinen Liedern weinen. Warum?

„Der Physiker würde das mit „Resonanzkatastrophe“ beschreiben, also wenn die Eigen frequenz des Senders und des Empfängers gleich oder sehr nahe beieinander sind. Während bei solchen klassischen Physik-Experimenten Gläser zum Zerspringen gebracht werden, so zerspringt uns bei dieser Resonanzkatastrophe mit Gundermann das eigene Herz und wir weinen.“

Gundermann – Es Kommt Der Tag (Solo)

Gerhard Gundermann – 30.04.1990  (live) – Steinland

Gundermann – Heimat / dem deutschen Volke

Letztes Konzert von Gundermann & Seilschaft am 8. Mai 1998 in Berlin-Pankow

Gerhard Gundermann – Frühstück Playlist)

Gerhard Gundermann – Soll Sein (Playlist)