Der Krimi ist in Deutschland Kult!

Kriminalfilme eines bestimmten Formates sprechen die deutsche Mentalität gut an uns: Sie unterhalten und sind schauspielerisch anspruchsvoll gestaltet.  Der Krimi wurde zum ungewöhnlichen Format zur Darstellung sehr wichtiger und kritischer Themas unseres Lebens.

Wie der Krimi im deutschen Fernsehen zum Kult wurde

(Quellen zeit.de, wikipedia):

  • Der erste „Tatort“ („Taxi nach Leipzig“) wurde am 29. November 1970 mit Walter Richter in der Hauptrolle als Kommissar Trimmel in der ARD ausgestrahlt.
  • Der „Polizeiruf 110“ ist eine deutschsprachige Kriminalfilmreihe, die seit 1971 im DFF (1972–1990: Fernsehen der DDR) produziert wurde und nach Auflösung des DFF ab 1993 von verschiedenen ARD-Anstalten fortgeführt wird. Der Polizeiruf 110 wurde am 27. Juni 1971 im Deutschen Fernsehfunk als Gegenstück zum westdeutschen Tatort zum ersten Mal gesendet und entwickelte sich schnell zum Publikumsliebling in der DDR. (wikipedia)
  • Gegenwärtig gibt es 22 Ermittler bzw. Ermittlerteams: Lena Odenthal ermittelt seit 1989 in Ludwigshafen als dienstälteste Kommissarin im „Tatort“. Ältestes Ermittlerteam sind seit 1991 die Münchner Kommissare Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) und Ivo Batic (Miroslav Nemec).
  • In der 1000. Folge des „Tatorts“ ( „Taxi nach Leipzig“, 13. November 2016) ermittelten  Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) und Klaus Borowski (Axel Milberg) gemeinsam.
  • Die Erstausstrahlung eines neuen Falls erfolgt regelmäßig sonntags um 20:15 Uhr.
  • Seit 1980 dauert ein Fall etwa 88 Minuten, zuvor gab es auch Folgen, die zwei Stunden gingen.
  • Die Idee stammt von Gunther Witter. Er wurde mit der Nachfolge für den „Stahlnetz“-Krimi der ARD beauftragt.
  • jedes Jahr werden etwa 35 neue „Tatort“-Folgen produziert.

Das Markenzeichen des Deutschen Krimi-Format

  • Spannende und aufrüttelnde Darstellung kritischer Zustände in der Gesellschaft.
  • Oft mehr als ein Krimi, sondern eine bittere, subtile oder offene Anklage an unsere heutige Gesellschaft!
  • Das Genre des deutschen Krimis ist inhaltlich sehr gut und schauspielerisch meist bestens gestaltet.
  • „Extrem, eigenwillig, schwer erträglich – ein „Polizeiruf“, der sich ins Gedächtnis einbrennt.“ (Beispiel: n-tv.de zum Krimi Nachtdienst)

Deutscher Krimi „Polizeiruf 110“: Nachtdienst (gesendet: 7.5.2017)

  • Ein Sonntagskrimi, der emotional und gedanklich tief bewegt … „Das Siechtum der Unsichtbaren“, „in einem Pflegeheim, in dem der Tod Alltag ist.“
  • Relevanter, aufrüttelnder und klüger kann ein Krimi wirklich nicht sein!
  • „Drückend, schwer und hart – Ein Krimi, der keiner ist“ (swr3.de)
  • „Dieser Tatort war der Hammer!“ (Zuschauer)

1) TV-Krimi aus München von Rainer Kaufmann

Genre: Krimi
Land: D
Jahr: 2017
Regie: Rainer Kaufmann
Kamera: Klaus Eichhammer
Musik: Richard Ruzicka

Darsteller:

  • Matthias Brandt Hanns von Meuffels
  • Elisabeth Schwarz Elisabeth Strauß
  • Marina Galic Marija Abramovich
  • Philipp Moog Sebastian Kroll
  • Florian Karlheim Tscharlie Meier
  • Ernst Jacobi Claus Grübner
  • Mika Ullritz Janni
  • Monika Groll Frau Braun
  • Christian Mey Johannes Stresow
  • Andreas Borcherding Gerlach

2) Die Geschichte des Krimis:

Kriminalhauptkommissar Hanns von Meuffels (Matthias Brandt) will gerade in den Feierabend gehen, als  eine verwirrte 80-jährige Frau im Nachthemd von einem Taxifahrer bei der Polizei abgeliefert wird. Sie will einen Mord beobachtet haben. Der Kommissar kümmert sich um die Frau und beginnt in einem Altenheim in München, wo die an Demenz erkrankte alte Dame lebt, seine Ermittlungen. Seine dortige Nachtschicht wird der Zuschauer  nicht so leicht vergessen können. Das gezeichnete Bild des Altenheimes ist düster, gruselig und bedrückend.

3) Der Ort der Handlung: Geisterheim

„Der Handlungsort von «Nachtdienst» ist eine Art Gefängnis für alte Menschen, die von der Gesellschaft entsorgt wurden. Die Uniformität des tristen Gängebaus wird nur durch Abbildungen bunter Früchte, die die einzelnen Zimmer voneinander unterscheiden, aufgehellt – infantile Farbtupfer in den graugrün gedämpften Bildern. Die ganze Atmosphäre erinnert an Lars von Triers Krankenhausspuk «Geister».“ (nzz.ch)

 

4) Der kritische Gegenstand des Krimis: 

Unsere Gesellschaft altert immer mehr und die Zahl der Menschen, die professionell gepflegt werden müssen, steigt.

Der Pflegenotstand in Altenheimen in der Rentner-Republik Deutschland. Das Thema ist äußerst prekär:

  • Es gibt in Deutschland keinen sachlich ermittelten und gesetzliche vorgeschriebenen Schlüssel für Alten- und Pflegeheime dafür, wie viel Pflegekräfte vor Ort sein müssen.
  • Es gibt flächendeckend zu wenig ausgebildetes Pflegepersonal, weil nur wenige Menschen den schlecht bezahlten und anstrengenden Beruf ausüben wollen
  • Die Alten- und Pflegeheime verfügen über zu wenig Geld, um ausreichend Personal beschäftigen zu können.
  • Dieses Dilemma prangert u.a. der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe an.
  • Im internationalen Vergleich steht Deutschland sehr schlecht da.

5) Einige Detail-Themen des Krimis:

  • Das unwürdige Lebensende von alten Menschen in „Banane“, „Aubergine“, „Traube“, „Pilz“ oder „Zitrone“, wie die Zimmer in den Altenheimen heißen.
  • Die Altersarmut der Menschen, durch den sie sich keine bessere Betreuung und Pflege leisten können.
  • Der Pflegenotstand in Deutschland
  • Der Umgang mit Schwerstkranken (im Alter und in Pflegeheimen)
  • Der vergebliche Kampf um die Sichtbarmachung  und Veränderung der Missstände in der Altenpflege.
  • Hinter der Geschichte steckt ein Drama größeren Ausmaßes, an dessen Ende ein Bewohner nur noch einen Ausweg sieht. (n-tv.de)

6) Die Einschaltquoten:

Die Erstausstrahlung von Nachtdienst am 7. Mai 2017 wurde in Deutschland von 8,03 Millionen Zuschauern gesehen und erreichte einen Marktanteil von 23,0 % für Das Erste.

Bildquelle: © diefilmgmbh, www.crew-united.com

7) Einige Reaktionen von Zuschauern (daserste.de):

  • Sehr aufwühlend! Ich bin geschockt! Du solltest es auch sein!
  • Ein Polizeiruf 110 der Extraklasse mit dem Prädikat „Grimmepreis verdächtig“, allein aufgrund der großen Nachhaltigkeit.
  • Endlich mal wieder ein Sonntagskrimi, der bewegt!!! Arbeite selbst in der Pflege auf einer Intensivstation und war emotional sehr aufgewühlt und zu Tränen gerührt. Die Story, zwar überzeichnet, spiegelt aber das Gefühl der Überlastung 1:1 wider und macht sehr nachdenklich, wie wir heute mit alten Menschen umgehen. Sie im Altenheimen parken und erwarten, dass dort eine ganzheitliche Versorgung für kleines Geld stattfinden kann. Matthias Brand und sein Team haben mich voll auf begeistert, Bravo!!!!!
  • Genial!!! Der Polizeiruf „Nachtdienst“ ist das beste, was ich seit langem im deutschen Fernsehen gesehen habe. Die Story ist top, Matthias Brandt in Hochform, Nebendarsteller excellent besetzt, die Musik perfekt ausgewählt, die Kameraführung setzt wundervolle Szenen absolut skuril um. Ich überschlage mich, das beste seit langem. Respekt. 
  • Entsetzlich gut: Ich habe schon lange nicht mehr so etwas erschütterndes, aufrüttelndes gesehen.
  • Dieser Polizeiruf ging unter die Haut. Ein Blick in die Realität in das hier und heute. Zugleich man ein beklemmendes Gefühl bekommt, denkt man an die eigene Zukunft.
  • Sehr realistisch: Dieser Polizeiruf konnte ein überzeugendes Bild von meiner Zukunft zeichnen. Ich habe debil gesabbert, mich vor Schmerzen gekrümmt und das Ende herbei gesehnt. Weiter so. Dann habe ich gutes Training für meine letzten Tage und kann den Pflegern rotzfrech ins Gesicht sagen: Ich habe das Schlimmste bereits gesehen!
  • Traurig, aber die reine Wahrheit Wann wacht man auf, wann ist Geld da für unsere alten Leutchen Wer möchte so, alt verwahrt werden?????? Wann wird es anders? Respekt vor der Tat!!!!!! Es geht auch anders…………. Wie lange halten wir noch durch??????? Manu, 35 Jahre in der Altenpflege

8) Einige Rezensionen von Fachleuten:

  • „Nachtdienst“ von Rainer Kaufmann, Ariela Bogenberger und Astrid Ströher ist kein Krimi, obwohl Menschen in diesem „Polizeiruf“ gewaltsam zu Tode kommen. Der Film ist eine ästhetisch herausragend gestaltete Anklage; eine Nachtmahrgeschichte über die Schrecken des Endes der Individualität und den Verlust des Menschlichen, getragen von einem brillanten Ensemble steinalter Schauspieler. Der Film hält sich nicht mit Andeutungen auf, seine Übertreibung ist systematisch. (faz.de)
  • „Dieser Krimi ist todtraurig. Und höchst vital. Man fühlt sich stark an die Folge erinnert, in der von Meuffels im Jahr 2012 unter Medikamenteneinfluss im Krankenhaus Missstände im Gesundheitswesen aufdeckte. Auch in diesem Jazz-und-Pflegenotstand-‚Polizeiruf‘ wird nun einerseits leger eine extrem hohe atmosphärische Dichte geschaffen. Andererseits trägt der Film aber auch beflissen Fakten zum politischen Dauerbrenner zusammen.“ (Christian Buß: Spiegel Online)
  • Christian Buß: München-„Polizeiruf“ über Pflegenotstand. Umsonst ist nur der Kot. Spiegel Online, 5. Mai 2017, abgerufen am 8. Mai 2017: „Bewertung: 9 von 10“
  • „Die eigentliche Botschaft: Unterm Strich sind Pflegenotstand und Umgang mit Schwerstkranken die Themen des 13. Falls von Hanns von Meuffels. Dabei konzentrieren sich die Autorinnen Ariela Bogenberger und Astrid Ströher jedoch weniger auf dokumentarisch nacherzähltes Altenheim-Leben, sondern verpacken vielmehr ihre Kritik am Status Quo in eine dramaturgische Versuchsanordnung, die das Kunststück fertigbringt, Sozialkritik mit Arthouse-Crime zu kombinieren.“ (n-tv.de)
  • Pflegenotstand: „Dessen brutale Konsequenzen offenbaren sich im schockierenden Finale, das zunächst nicht zu der vorher gemächlichen, nur unterschwellig bedrohlichen Gangart von «Nachtdienst» zu passen scheint. Man könnte es als effekthaschenden Verlegenheitsgriff der Drehbuchautoren sehen. Oder aber als einen radikalen Akt, die aufrüttelnde Verzweiflungstat eines Unsichtbaren, der sich nicht mehr damit abfindet, dass keiner hinsieht.“ (nzz.ch)
  • „Dass alte Menschen in Pflegeheimen wie Schlachtvieh behandelt werden, schockiert niemanden. Wenn aber seltsame Morde geschehen, kann daraus ein guter Krimi werden.“ (zeit.de)

Was lehrt uns dieser Film eigentlich alles!!!

1) Der Unwert des Menschen in der kapitalistischen Gesellschaft

  • Mit dem „Personal“ des Unternehmens Staat (NGO)  verdienen die Besitzer und Herrscher solange Geld, wie das Personal gesund, arbeitend und zahlungskräftig ist.
  • Aber, wehe dem Personal, das krank ist oder wird, das pflegebedürftig wird, das allein ist oder das finanziell nicht so rosig dasteht…. Dann kann es erleben, wie überflüssig man ist, nicht mehr gesehen wird, niemanden mehr interessiert.
  • Das kann jedem Menschen einzeln betreffen.
  • SO gehen die Verantwortlichen im Lande mit den Alten um, solange „WIR“ diese Unterdrückung zulassen und uns gefallen lassen.

2) Wo ist das Geld für die Alten?

Der Staat BRD bedient sich legal an der privaten Altersvorsorge seiner Bürger. Dabei heißt „legal“ – auf der Basis von zu diesem Zweck selbst geschaffenen Gesetzen.

Der Staat bedient sich an Altersvorsorge33 Mrd. Euro holt sich der BRD-Staat von Bürgern, die in ihre Altersversorge eingezahlt haben.

Das ist ein Riesen-Skandal: Millionen Deutsche werden um Ihr Geld gebracht und es steht uns nicht zur Altenpflege bereit!

  • Wer jetzt nicht handelt, bekommt weit weniger ausbezahlt, als er eigentlich eingezahlt hat.
  • Wer nicht in die Selbstverantwortung geht und eigene Lösungen zur Altersvorsorge wählt, bekommt noch mehr vom Staat weggenommen.

3) Achtung vor den alten Menschen!

  • „Die Würde jedes Menschen ist unantastbar“ (Grundgesetz) – ist in diesem System eine Lüge und Farce!
  • Die Gesellschaft ist daran zu messen, wie sie mit jedem einzelnen alten Menschen und besonders in seiner letzten Phase des Lebens umgeht.
  • Unerträglich sind: unwürdig auf dem Abstellgleis; ohne Perspektive; im Gefühl allein gelassen, überflüssig zu sein, nicht mehr gesehen und gehört zu werden, für niemanden mehr interessant zu sein… „Vorhölle im Altenheim?!“
  • Gerade die Trümmerfrauen, die das Land nach dem 2. Weltkrieg mit ihren bloßen Händen wieder aufgebaut haben, haben ein würdevolleres Lebensende verdient.

4)  Achtung vor den Helfer und Pflegern für alte Menschen in spezialisierten Heimen

  • die Pfleger sind nicht empfindungslos, sie haben keine Zeit und Kraft für die nötige Zuwendung.
  • zu viele betreuungsintensive Patienten
  • zu wenige und völlig überforderte Pfleger

5) Achtung vor der heimische Pflege von Angehörigen

Viele Menschen müssen ihr Leben ändern, ihre Arbeit und Einkommen aufgeben für die private Betreuung und Pflege von alten und kranken Angehörigen (insbesondere Demenzkranken). Viele sind dabei völlig überfordert und schaffen sich damit neue gesundheitliche und finanzielle Probleme.

Die familiäre Pflege von Angehörige zu Hause kann mit Pflegegeld entgolten werden. „Doch das ist bei weitem nicht so hoch wie die Leistungen, die für professionelle Pflegehilfen gezahlt werden.“ (n-tv.de)

6) Achtung vor ehrenamtlicher Hilfe durch professionelle Pflegekräfte für pflegebedürftige Alte

Solche professionellen Pflegekräfte können den Angehörigen eine psychische und physische Verschnaufpause verschaffen und das Wohlbefinden der Betroffenen fördern.

Und wie geht es JETZT weiter?

Was das jetzt wieder nur spannende Unterhaltung oder kommen wir endlich zur dringenden, sachlichen Analyse der Situation der Alten und zur schnellen wirklichen Veränderungen der unerträglichen Mißstände.

1)  Fragen:

Beim Ansehen des Lebens und Arbeitens in einem Altenheim drängen sich solche Fragen auf:

  • Was ist, wenn mich das betrifft?
  • Was ist, wenn es einen Angehörigen betrifft?
  • Wer pflegt mich?
  • Wer hilft mir / uns, wenn wir uns nicht mehr selbst helfen können?
  • Was wird mich das alles kosten?

2)  Zweifel: 

  • „… in den Spiegel, der der Gesellschaft hier vorgehalten wurde, wird kaum jemand blicken!“ (Zuschauerkommentar auf ARD)
  • „Fazit: heiter weiter!“  (Zuschauerkommentar auf ARD)

3) Lösungen:

  • Mehr Geld für die Alten und Pflegebedürftigen (für Rüstung, Kriege, Bankenrettung und Einwanderer sind ja auch plötzlich viele Milliarden da!)
  • Bessere Gesetze:  „Wenn sich doch endlich die Gesetzgebung des Themas annehmen würde!“  (Zuschauerkommentar auf ARD)
  • Pflegehilfskräfte aus Mittel- und Osteuropa: Heute werden schon 100.000-fach Pflegehilfskräfte aus Mittel- und Osteuropa aus dem Pflegegeld des Staates bezahlt.
  • Roboter als Altenpfleger (?): 

  • Kluge finanzielle Vorsorge vor Altersarmut und Demütigung:

Diese Miesere im Alter braucht nicht sein,

–  wenn man selbstverantwortlich und selbstbestimmt sein Leben wahrnimmt und meistert,

–  wenn man sich möglichst längerfristig auf das Alter und die Finanzierung dieser Lebensphase vorbereitet.

Rat des Haupttäters an den Kommissar im Krimi: „Beschäftige Dich rechtzeitig mit Deinen Finanzen fürs Alter!“

Finanzen im Rentenalter

In diesem gesellschaftskritischen Nocturne spielt Elisabeth Schwarz – Chopin – Nocturne op.9 No.2

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