Lothar Zenetti – christlicher Dichterpfarrer

Wikipedia: Lothar Zenetti ist ein deutscher römisch-katholischer Theologe, Priester und Schriftsteller, geboren am: 6. Februar 1926. 
In den 1960ern war er als Stadtjugendpfarrer „mittendrin dabei, als die Aufbruchstimmung der 68er auch die Christen erfasste und alles hinterfragt wurde“ (Frankfurter Rundschau).

Lothar Zenetti: Was keiner wagt….

Was keiner wagt, das sollt ihr wagen,
Was keiner sagt, das sagt heraus,
Was keiner denkt, sollt ihr befragen,
Was keiner anfängt, das führt aus.

Wenn keiner JA sagt, sollt ihr’s sagen,
Wenn keiner NEIN sagt, sagt doch NEIN,
Wenn alle zweifeln, wagt zu glauben,
Wenn alle mittun, steht allein!

Wo alle loben, habt Bedenken,
Wo alle spotten, spottet nicht,
Wo alle geizen, wagt zu schenken,
Wo alles dunkel ist, macht Licht!

Meine Interpretation:

  • Dieser Text SCHEINT, nur ein kleines und unscheinbares Gedicht von Lothar Zenetti zu sein.
  • Dieses Gedicht IST jedoch von tiefem Sinn und enormer Wirkung, weil mit der charakteristischen Wortgewalt der deutschen Sprache damit etwas Wesentliches auf den Punkt gebracht ist.
  • Dieses deutsche Gedicht zielt und trifft auf eine Entscheidung der Menschen voller Mut und Waghalsigkeit, endlich Wahrheit und LICHT in das gemeinsame Leben zu bringen.
  • Dieses Gedicht entstand aus der Not, weil immer weniger Menschen noch im Innersten spüren, was recht und richtig im Sinne einer kosmischen Ordnung des gemeinsamen Lebens ist.
  • Diese Sprache fordert zur nötigen Zivilcourage der Menschen in der Gesellschaft auf, zum anständigen Mut der Bürger, die (noch) edle Werte in sich tragen und in der Gemeinschaft äußern.

Solche wachrüttelnden Anstöße der Menschen sind in heutiger Zeit und gesellschaftlicher Situation dringend nötig,

  • weil die meisten Menschen keine Verantwortung mehr für sich selbst übernehmen, sondern diese auf andere delegieren (Politiker, Polizei, Richter usw.),
  • weil sie in der Masse (der großen Städte, der Massen-Veranstaltungen, der Massen-Medien) anonym bleiben, individuell untertauchen und im Massenstrom des Verhaltens mitmachen,
  • weil sie keine persönliche Meinung mehr bilden (können) und keine Stellung mehr beziehen, auch wenn sie dies aus dem Inneren heraus eigentlich tun wollten,
  • weil sie sich zu klein und unwirksam in ihren Möglichkeiten im Vergleich zu anderen Menschen glauben und denken,
  • weil sie den Pessimismus als Ergebnis langer Manipulation und schlechter Erfahrungen über den Lebens-Optimismus mit Glaube – Liebe und Hoffnung siegen lassen.

Eine kluge Ergänzung des Zenetti-Gedichtes

(tumleH in einem Internetkommentar)

Was keiner wagt, das sollt ihr wagen.
Was keiner sagt, das sagt heraus.
Was keiner denkt, das wagt zu denken.
Was keiner anfängt, das führt aus.

Wo alle lügen, dient der Wahrheit,
wo alle heucheln, macht nicht mit.
Verscheucht den Nebel, strebt zur Klarheit,
wo alle weichen, keinen Schritt.

Wo alle beten, laßt sie flehen,
wo alle klatschen, kein Applaus,
wo alle knien, bleibet stehen,
wo alle jammern, lacht sie aus!

Wenn keiner Ja sagt, sollt ihr’s sagen,
wenn keiner Nein sagt, sagt doch Nein,
wenn alle zweifeln, wagt, zu glauben,
wenn alle mittun, steht allein.

Wo alle loben, habt Bedenken,
wo alle spotten, spottet nicht!
Wo alle geizen, wagt, zu schenken,
wo alles dunkel ist, macht Licht!

Die Liedermacher Konstantin Wecker und Hannes Wader haben den Text „Was keiner wagt“ übernommen fordern damit zum Handeln auf. 

Einige weitere Zitate von Lothar Zenetti

„Menschen, die aus der Hoffnung leben, sehen weiter.
Menschen, die aus der Liebe leben, sehen tiefer.
Menschen, die aus dem Glauben leben,
sehen alles in einem anderen Licht.“

********************

„Wenn du betest,
dann geh in dein Kämmerlein,
dein Dunkelkämmerlein,
und entwickle das Bild,
das Gott sich von dir gemacht hat.“

********************

„Zungen von Feuer müssen’s nicht sein,
Sprachen, die jauchzend entstehen,
nur gib uns ein Wort, darin Wahrheit ist,
dass wir, was recht ist, verstehen.
Ja, gib uns den Geist, deiner Wahrheit Geist,
dass wir einander verstehen!“