Reinhard Mey – Heimatlos

Reinhard Mey schreibt und singt in klar verständlichem Deutsch. Seine lyrischen Texte sind meist anspruchsvoll und ausdrucksstark. Er ist eben ein guter Liedermacher, der selbst im realen Alltag steht und unseren Alltag versteht.  Scharfe und pointierte Gesellschaftskritik kommt schon viele Jahre von dem beliebten deutschen Liedermacher aus dem Mund. Deutschland ist eben doch das Land der Dichter, Denker und guten Sänger (mit Text, Melodie und Rhythmus).

Aber, wer wird in ein paar Jahren noch diese guten deutschen Texte dieses Sängers verstehen,  wenn das Deutsche Volk weiter seine nationale Identität, seine Heimat, seine Sprache und Kultur aufgibt … wobei die meisten Deutschen noch nicht einmal merken, daß sie immer schneller als Volk abgeschafft werden.

… und Du hast IHNEN alles gegeben, Deine Kraft, Deine Jugend und Dein Leben …

Reinhard Mey – Das Narrenschiff

Hans-Peter Zürcher:

Die ganze Welt ist ein einziges Narrenschiff, die Kapitäne eigensüchtig und größenwahnsinnig, merken nicht wie sie ihr Schiff auf ein Riff auflaufen liessen, aus dem sie nicht mehr wegkommen.. Die Mannschaft geblendet vom Leuchtfeuer der Arroganz, das wie irr in die Welt leuchtet und das Licht der Vernunft überblendet… Ein ganz großes Lied mit großartiger Metapher, das die ganze Welt angeht.

Das Narrenschiff

Das Quecksilber fällt, die Zeichen stehen auf Sturm,

Nur blödes Kichern und Keifen vom Kommandoturm

Und ein dumpfes Mahlen grollt aus der Maschine.

Und rollen und Stampfen und schwere See,

Die Bordkapelle spielt „Humbatäterä“,

Und ein irres Lachen dringt aus der Latrine.

Die Ladung ist faul, die Papiere fingiert,

Die Lenzpumpen leck und die Schotten blockiert,

Die Luken weit offen und alle Alarmglocken läuten.

Die Seen schlagen mannshoch in den Laderaum

Und Elmsfeuer züngeln vom Ladebaum,

Doch keiner an Bord vermag die Zeichen zu deuten!

 

Der Steuermann lügt, der Kapitän ist betrunken

Und der Maschinist in dumpfe Lethargie versunken,

Die Mannschaft lauter meineidige Halunken,

Der Funker zu feig‘ um SOS zu funken.

Klabautermann führt das Narrenschiff

Volle Fahrt voraus und Kurs auf’s Riff.

 

Am Horizont wetterleuchten die Zeichen der Zeit:

Niedertracht und Raffsucht und Eitelkeit.

Auf der Brücke tummeln sich Tölpel und Einfaltspinsel.

Im Trüben fischt der scharfgezahnte Hai,

Bringt seinen Fang ins Trockne, an der Steuer vorbei,

Auf die Sandbank, bei der wohlbekannten Schatzinsel.

Die andern Geldwäscher und Zuhälter, die warten schon,

Bordellkönig, Spielautomatenbaron,

Im hellen Licht, niemand muß sich im Dunkeln rumdrücken

In der Bananenrepublik, wo selbst der Präsident

Die Scham verloren hat und keine Skrupel kennt,

Sich mit dem Steuerdieb im Gefolge zu schmücken.

 

Der Steuermann lügt, der Kapitän ist betrunken

Und der Maschinist in dumpfe Lethargie versunken,

Die Mannschaft lauter meineidige Halunken,

Der Funker zu feig‘ um SOS zu funken.

Klabautermann führt das Narrenschiff

Volle Fahrt voraus und Kurs auf’s Riff.

Man hat sich glatt gemacht, man hat sich arrangiert.

All die hohen Ideale sind havariert,

Und der große Rebell, der nicht müd‘ wurde zu streiten,

Mutiert zu einem servilen, gift’gen Gnom

Und singt lammfromm vor dem schlimmen alten Mann in Rom

Seine Lieder, fürwahr: Es ändern sich die Zeiten!

Einst junge Wilde sind gefügig, fromm und zahm,

Gekauft, narkotisiert und flügellahm,

Tauschen Samtpfötchen für die einst so scharfen Klauen.

Und eitle Greise präsentier’n sich keck

Mit immer viel zu jungen Frauen auf dem Oberdeck,

Die ihre schlaffen Glieder wärmen und ihnen das Essen vorkauen.

 

Der Steuermann lügt, der Kapitän ist betrunken

Und der Maschinist in dumpfe Lethargie versunken,

Die Mannschaft lauter meineidige Halunken,

Der Funker zu feig‘ um SOS zu funken.

Klabautermann führt das Narrenschiff

Volle Fahrt voraus und Kurs auf’s Riff.

 

Sie rüsten gegen den Feind, doch der Feind ist längst hier.

Er hat die Hand an deiner Gurgel, er steht hinter dir.

Im Schutz der Paragraphen mischt er die gezinkten Karten.

Jeder kann es sehen, aber alle sehen weg,

Und der Dunkelmann kommt aus seinem Versteck

Und dealt unter aller Augen vor dem Kindergarten.

Der Ausguck ruft vom höchsten Mast: Endzeit in Sicht!

Doch sie sind wie versteinert und sie hören ihn nicht.

Sie zieh’n wie Lemminge in willenlosen Horden.

Es ist, als hätten alle den Verstand verlor’n,

Sich zum Niedergang und zum Verfall verschwor’n,

Und ein Irrlicht ist ihr Leuchtfeuer geworden.

 

Der Steuermann lügt, der Kapitän ist betrunken

Und der Maschinist in dumpfe Lethargie versunken,

Die Mannschaft lauter meineidige Halunken,

Der Funker zu feig‘ um SOS zu funken.

Klabautermann führt das Narrenschiff

Volle Fahrt voraus und Kurs auf’s Riff.

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