Bildquelle: Szene aus Film „ASSA“

Wiktor Robertowitsch Zoi (Виктор Робертович Цой) war ein russischer Rockmusiker, Poet und Schauspieler.

Der Frontmann der Band „Kino“ war ein Pionier des russischen Rocks. Seine punkige Musik und poetisch-gesellschaftskritischen Texte hatten in der Sowjetunion und haben heute in Rußland eine große Anhängerschaft. „Kino“ zählte zu den bekanntesten und erfolgreichsten Rock-Bands der russischen Rockgeschichte.  In Rußland gilt Wiktor Tsoi mit seiner Gruppe KINO als die mit Abstand beste russische Band aller Zeiten.

Geboren: 21. Juni 1962, Sankt Petersburg, Russland, gestorben: 15. August 1990, Sloka, Latvia

Musikgruppen: Kino (1981 – 1990), Avtomaticheskie udovletvoriteli(1990), Palata No. 6 (1978 – 1979)

„Ich wünsche Veränderung!“ («Хочу перемен!»)

Das ist einer der berühmtesten Titel der russischen Rockgruppe Kino mit dem Frontsänger und Texter Wiktor  Tsoi.  

  • 1986 wurde dieses Lied „Veränderung“  erstmals beim IV-Festival des Leningrader Rock Clubs aufgeführt.
  • 1987 wurde es in das Ende des sowjetischen Films „ASSA“ integriert.
  • 1989 wurde es in einer LP zunächst in Frankreich (Le Dernier Des Héros (Последний герой) (Off The Track Records) Vinyl LP 1989) veröffentlicht.
  • Am 24. Juni 1990  war es das letzte Lied, das Viktor Tsoi bei seinem letzten Konzert in Luzhniki aufführte.
  • Danach wurde es zu einem Mythos in Rußland, in Belorußland, in der Ukraine und auch im weiteren Ausland.

Tsoi bestand darauf, daß es sich bei dem Lied nicht um einen Protest handelt. Dennoch wurde dieses Lied zu einer Hymne für politische Aktivisten und Oppositionelle in der nach-sowjetischen Welt. Allerdings erfolgte diese Politisierung der Texte gegen die Wünsche von Viktor Tsoi und vor allem nach seinem Tod 1990 statt.

Während der Perestroika gegen Ende der Sowjetunion in den 1980er Jahren bekam das Lied eine deutlich politische Botschaft. Und seitdem ist es in Rußland immer mit Protesten aller politischer Orientierungen verbunden, die bei Demonstrationen von Gruppen jeder Richtung gespielt wird.

Michail Gorbatschow, der ideologische Architekt der Perestroika in der Sowjetunion, erzählte im November 2012, daß man in Führungskreisen über Tsois Lied gesprochen habe („Echo Moskau“). Gorbatschow im März 1985 im Gespräch mit Gromyko: „Dann sage ich dem sowjetischen Außenminister Andrej Andreevich [Gromyko], dass wir anfangen müssen, die Dinge anders zu machen. […] Tsoi singt „Wir fordern Veränderungen!“ in Konzerten. Die Leute sagen offen und direkt: „Wir fordern Veränderungen!“ […] Es ist gefährlich, große Veränderungen in unserem Land zu beginnen. Gefährlich und riskant, aber wir müssen anfangen. “

Allerdings hatte weder Tsoi zu diesem Zeitpunkt das Lied „Veränderung“ schon geschrieben, noch in Konzerten aufgeführt, noch war der Film „Assa“ mit dem Lied schon aufgeführt.

Im Nachhinein ist dieses Lied jedoch so fest mit politischen Forderungen „Perestroika“ / Veränderung in der Sowjetunion und in Rußland verbunden, daß sogar sein Chef-Anstifter die Chronologie dieser Ära durcheinander bringt. (siehe meduza.io)

  • Viktor Tsoi traft mit „Veränderung“ jedoch absolut den Zeitgeist Ende der 1980er Jahre , weshalb die Menschen mit seinem Lied öffentlich Veränderungen forderten und weiter fordern!
  • Das Lied kann als Gegenstück zu „Wind of Change“ der deutschen Rockgruppe „Scorpions“ betrachtet werden, das im September 1989 von Scorpions-Sänger Klaus Meine komponiert und getextet wurde sowie im Februar 1991 als Single veröffentlicht wurden. Sie galt in den Medien Deutschland als sogenannte „Hymne der Wende“.

ABER: Fortsetzung folgt mit „Assa 2“

Im Jahr 2008 machte der Regisseur des Filmes „Assa“, Sergej Solowjow, der wesentlich zur Mythologie beigetragen hat, die jetzt Tsoi’s Lied umgibt, eine Fortsetzung mit dem Film „Assa 2“.

„Ich fühlte, daß eine Fortsetzung zu „Assa“ notwendig war, weil der erste Film mit Tsois Lied ‚Peremen!´ endete. In dem Konzert, das in den Film eingebaut wurde, gab es etwa 8.000 Menschen! Ich stand auch in der Menge und winkte auch mit den Armen herum und schrie: „Änderungen!“ […]  Aber, keine einzige Person in dieser Menge wollte die Veränderungen, die stattgefunden haben. […]  Und ich fühlte mich wie ein Lügner – wie ein Arschloch – ein Provokateur, der „Änderungen!“schrei,  während er die Menge zum Schlachthof führt. Dieses Gefühl der Heuchelei zwang mich, einen zweiten Film zu machen.“

In dieser veränderten Version spielt eine andere Musik-Gruppe und der neue Frontmann Sergey Shnurov singt: „Wir warten nicht mehr auf Veränderungen!“… „Es gibt keine Flamme, da ist nur Rauch, und jetzt kriechen die jungen Leute nicht.“

Кино – Перемен (Veränderung) in der Schlußszene des Filmes „Assa“ (1987, UdSSR)

Виктор Цой/Viktor Tsoi: Перемен!/Veränderung!

Перемен!Veränderung!
Вместо тепла зелень стекла,
Вместо огня дым.
Из сетки календаря выхвачен день.
Красное солнце сгорает дотла,
День догорает с ним.
На пылающий город падает тень.

Перемен требуют наши сердца,
Перемен требуют наши глаза,
В нашем смехе и в наших слезах,
И в пульсации вен
Перемен!
Мы ждем перемен.

Электрический свет продолжает наш день
И коробка от спичек пуста.
Но на кухне синим цветком горит газ.
Сигареты в руках, чай на столе,
Эта схема проста.
И больше нет ничего, все находится в нас.

Перемен требуют наши сердца,
Перемен требуют наши глаза,
В нашем смехе и в наших слезах,
И в пульсации вен
Перемен!
Мы ждем перемен.

Мы не можем похвастаться мудростью глаз
И умелыми жестами рук,
Нам не нужно все это, чтобы друг друга понять.
Сигареты в руках, чай на столе,
Так замыкается круг.
И вдруг нам становится страшно что-то менять.

Перемен требуют наши сердца,
Перемен требуют наши глаза,
В нашем смехе и в наших слезах,
И в пульсации вен
Перемен!
Мы ждем перемен.
Anstelle der Wärme - das grüne Glas,
Anstelle des Feuers - der Rauch,
Aus dem Kalender ist der Tag entrissen.
Die rote Sonne brennt völlig ab,
Der Tag brennt mit ihr nieder,
Auf die brennende Stadt fällt der Schatten.

"Veränderungen!" - fordern unsere Herzen.
"Veränderungen!" - fordern unsere Augen.
In unserem Gelächter und in unseren Tränen,
Und im Pulsieren der Adern:
"Veränderungen!
Wir warten auf die Veränderungen!"

Das elektrische Licht setzt unseren Tag fort,
Und die Schachtel von Streichhölzern ist leer,
Aber in der Küche brennt das Gas wie eine blaue Blume.
Die Zigaretten in den Händen, der Tee auf dem Tisch - dieses Schema ist einfach,
Und es gibt nichts mehr, alles befindet sich in uns.

"Veränderungen!" - fordern unsere Herzen.
"Veränderungen!" - fordern unsere Augen.
In unserem Gelächter und in unseren Tränen,
Und im Pulsieren der Adern:
"Veränderungen!
Wir warten auf die Veränderungen!"

Wir haben nicht die Weisheit der Augen, mit der wir prahlen können,
Und geschickte Gesten der Hände haben wir auch nicht,
Das alles brauchen wir nicht, um einander zu verstehen.
Die Zigaretten in den Händen, der Tee auf dem Tisch - so wird der Kreis geschlossen,

Und plötzlich wird uns gruselig etwas zu verändern.

"Veränderungen!" - fordern unsere Herzen.
"Veränderungen!" - fordern unsere Augen.
In unserem Gelächter und in unseren Tränen,
Und im Pulsieren der Adern:
"Die Veränderungen!
Wir warten auf die Veränderungen!"

KINO (КИНО) – Changement (Хочу Перемен) (Off The Track) Vinyl 1989

Kino – Le Dernier Des Héros (Кино – Последний герой), винил 1989 г.

Interpretation des Liedes „Veränderung“ von Nadezha Kadyshevas

Kukushka (Кукушка)

Песен еще ненаписанных, сколько?
Скажи, кукушка, пропой.
В городе мне жить или на выселках,
Камнем лежать или гореть звездой?
Звездой.
Солнце мое – взгляни на меня,
Моя ладонь превратилась в кулак,
И если есть порох – дай огня.
Вот так…
Кто пойдет по следу одинокому?
Сильные да смелые
Головы сложили в поле в бою.
Мало кто остался в светлой памяти,
В трезвом уме да с твердой рукой в строю,
В строю.
Солнце мое – взгляни на меня,
Моя ладонь превратилась в кулак,
И если есть порох – дай огня.
Вот так…
Где же ты теперь, воля вольная?
С кем же ты сейчас
Ласковый рассвет встречаешь? Ответь.
Хорошо с тобой, да плохо без тебя,
Голову да плечи терпеливые под плеть,
Под плеть.
Солнце мое – взгляни на меня,
Моя ладонь превратилась в кулак,
И если есть порох – дай огня.
Вот так…