Coaching als Kunst-Handwerk

Muster und ihre Veränderung kann man besser erkennen von grundlegenden Ebenen der Betrachtung aus.
Berufs-Archetypen beschreiben dabei die sich evolutionär herausbildenden Gewohnheiten, nach denen sich Berufsgruppen oder ganze Branchen organisieren.
Besonders gilt dies bei „hybriden“ Konstrukten aus mehreren archetypischen Handlungsmustern.
Die Beratungs-Tätigkeit allgemein ist der Coaching-Tätigkeit ähnlich.
„Coaching“ wird oft mit dem Kunst-Handwerk verglichen und gleichgesetzt, wie eine Mischung aus den Idealen des Handwerks einerseits und denen des Künstlertums andererseits.
Beide Grundmuster sind bis in die archetypischen Orientierungen ausführlich und klärend beschrieben worden:

  • Richard Sennetts Buch über Handwerk (Sennett, 2008),
  • Otto Ranks in seinem Klassiker über Kunst und Künstler (Rank, 2000)

Für die Entwicklung des Coachings in die Zukunft helfen diese bei der Sortierung.

Es ist zu vermuten, dass sich die Anlehnung an das eine oder andere Muster unterschiedlich verteilen wird. Wir kennen das aus weiteren Hybrid-Berufen:
Auch die echten Kunsthandwerker wirken im Kontinuum zwischen den Polen. Einerseits gibt es die disziplinierten Restaurateure und andererseits die kreativen Holzbildhauer, Steinmetze, Maler, Improvisations-Musiker.
Das Arbeitsfeld des Coachings wird sich in seinen künftigen Erscheinungsformen ebenfalls auf einem solchen Kontinuum verteilen.

Richtung des Coachings-Handwerkers

Diese tendieren stärker zum archetypischen Ideal des Handwerkers mit regulierenden und standardisierenden Bestrebungen in der Arbeit.
Standardisierungen von Verhalten („Zunftordnungen“) sind von Coaching-Berufsverbänden („Zünfte“) herausgebracht worden und werden als Zugehörigkeitskriterien angewendet, um zu regeln, wer mitmachen darf und wer nicht.
– Vereinheitlichte Ausbildungsprogramme für den Coach werden hinzukommen, um die Handlungs-Qualität der Coaches zu „sichern“
– Zahlreichen Methodenbücher haben ihre Wurzel ebenfalls in dieser Orientierung, entsteht aus ihnen doch ein Kanon von „guten“ oder „richtigen“ Verfahrensweisen, lehr- und lernbar, erprobt und überprüfbar.
Dem entspricht das Bestreben, durch Regulation „schwarze Schafe“ oder „Scharlatane“´auszuschließen, um das Vertrauen in die noch junge Dienstleistung nicht zu schädigen bzw. zu erhalten.

Richtung des Coaching-Künstlers

Diese tendieren stärker zum archetypischen Ideal des Künstlers mit kreativen und freien Bestrebungen in der Arbeit.
Diesen Coaches sind zu viele Regulierung eher suspekt. Sie halten eine gleichartige Methodenvereinbarung (Motto: „wie es richtig gemacht wird“) für ungenügend, illusionär und gefährlich.
– Diese Coaching-Künstler handeln nach dem Vorrang der aktuellen, individuellen und krea­tiven Entäußerung, die situationsgebunden und unwiederholbar ist.
– Sie verstehen ihre Interventionen im Extrem nicht etwas, was man „macht“, sondern als etwas, was man als Berater-Persönlichkeit bzw. Coach mittels seiner Präsenz, Autorität und Kompetenz „IST“.

Diese beiden Tendenzen werden ihre Formen des Arbeitens weiterentwickeln und bleiben im Coaching-Bereich noch länger bestehen.