Udo Jürgens mit Weisheit zum Abschied

Der fantastische und beliebte Künstler Udo Jürgens, der singend-erzählend auch den Daumen auf die zentralen Themen unserer Zeit legte, brachte in seinem letzten Konzert im 80. Lebensjahr noch einmal alles auf den Punkt. Während seiner Karriere brachte er immer wieder sehr deutlich sozial-kritische Inhalte ein: Lieb Vaterland, Das ehrenwerte Haus, 5 Minuten vor 12  … Vielleicht haben diese Probleme des Lebens in dieser heutigen Welt ihm das Herz gebrochen.

Wikipedia: Udo Jürgens (* 30. September 1934 in Klagenfurt, Kärnten, Österreich; † 21. Dezember 2014 in Münsterlingen, Thurgau, Schweiz), bürgerlich Udo Jürgen Bockelmann, war ein Komponist, Pianist und Sänger hauptsächlich deutschsprachiger – aber auch (unter anderem) englischsprachiger Lieder. Er besaß neben der österreichischen seit 2007 auch die Schweizer Staatsbürgerschaft.[1] Mit über 100 Millionen verkauften Tonträgern war Udo Jürgens einer der kommerziell erfolgreichsten Unterhaltungsmusiker im deutschen Sprachraum.[2] Seine aktive Karriere erstreckte sich über nahezu 60 Jahre. Er ist stilistisch zwischen Schlager, Chanson, Jazz und Popmusik einzuordnen und gewann als erster Österreicher 1966 den Grand Prix Eurovision de la Chanson (heute Eurovision Song Contest).

Die Bunte.de: Am 21. Dezember 2014 stand die deutsche Popwelt kurz still. Denn an diesem denkwürdigen Tag starb einer der ganz Großen an Herzversagen, Udo Jürgens. 80 Jahre wurde der Chansonnier alt, eigentlich ein stolzes Alter, doch bei ihm hatte man einfach das Gefühl, dass er noch so viel zu erzählen, noch so viel zu singen hatte.

Udo Jürgens – Der gläserne Mensch (Sein letztes Konzert in Zürich 2014)

..und kurze Zeit später starb er ….

DER GLÄSERNE MENSCH

Wir sind so lieb und so Internet(t),
Man hört uns zu am Telephon.
Du hast deine mail noch nicht verschickt,
Da lesen sie die ander’n schon.Die Welt im Apple- und iPhone-Wahn
Und Rechner wissen mehr als wir.
Sie sind gnadenlos auf der Datenspur.
Wo du auch bist – sie folgen dir.Zur Sicherheit – Lauschangriff.
Wir werden voll überwacht.
BND – NSA,
Wir alle stehen unter Generalverdacht.DER GLÄSERNE MENSCH, gefangen im Netz,
Geheimdienste fiebern im Sammelrausch.
DER GLÄSERNE MENSCH, gefangen im Netz,
Regierungen spielen den Datentausch.Gefangen im Netz,
Gegen jedes Recht und Gesetz.
Gefangen im Netz,
Gegen jedes Recht und Gesetz.
Gefangen im Netz,
Gegen jedes Recht und Gesetz.Wo ist deine Sphäre noch privat,
Wo sind Netzwerke denn sozial?
Du hast deinen festen Speicherplatz,
Mensch aus Glas – völlig digital.Wir werden verraten und verkauft.
Spionage ist Strategie.
Kontrolle total – ganz unkontrolliert.
Und das Netz vergißt dich nie.Von früh bis spät – ausgespäht,
Freiheit bedroht.
BKA, FBI…
Ein falsches Wort, Alarmstufe rot.DER GLÄSERNE MENSCH, gefangen im Netz,
Geheimdienste fiebern im Sammelrausch.
DER GLÄSERNE MENSCH, gefangen im Netz,
Regierungen spielen den Datentausch.Gefangen im Netz,
Gegen jedes Recht und Gesetz.
Gefangen im Netz,
Gegen jedes Recht und Gesetz.
Gefangen im Netz,
Gegen jedes Recht und Gesetz.Wer es auch ist, der diese Welt –
In seinen Händen hält,
Hoffentlich merkt er irgendwann –
Daß Glas zerbrechen kann.

Udo Jürgens – Die Krone der Schöpfung (Das letzte Konzert Zürich 2014)

DIE KRONE DER SCHÖPFUNG

Prolog: Mario Adorf
…und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes
schuf er ihn und schuf ihn als Mann und Weib – Und
Gott segnete sie und sprach zu ihnen: „Seid fruchtbar und mehret
Euch – Und füllet die Erde und macht sie Euch untertan —
Und herrscht über die Fische im Meer. Und über die Vögel
am Himmel und über das Vieh und über alles Getier,
das auf Erden kriecht…“
Und Gott sah alles an, was er gemacht hatte –
und siehe — es war gut…Der Mensch hat sich die Erde längst untertan gemacht.
Mit Feuer, Schwert und Bombe hat er sie überwacht.
Was kümmert uns die Zukunft, wir beichten im Gebet:
„Verzeih‘ mir meine Habgier, denn mein ist der Planet!“Wir predigen die Liebe und führen täglich Krieg.
Wir kämpfen nicht für Ziele, nur für den eig’nen Sieg.
Wir sagen nicht mehr „Bitte!“, wir schreien nur „Ich will!“
Die halbe Welt verhungert, die halbe Welt hält still!Atomexplosion – was heißt das schon?
Feuer einbetonier’n!
Wir haben den Dreck – in Meeren versteckt! –
denn was soll schon passier’n?Wir fragen nicht, wir nehmen, wir leben uns’re Gier!
Denn nach uns kommt die Sintflut, doch erstmal kommen wir!Wir nennen uns Krone der Schöpfung,
Die Helden der Evolution.
Das Meisterwerk im Universum
Benimmt sich wie die Inquisition.Wir tragen Die Krone der Schöpfung
Eher so wie einen Karnevalshut.
Besoffen vom Größenwahn
Fühlt sich die Menschheit – edel und gut –
Und absolut…Wir haben das Gewissen im Überfluß verlor’n.
Und wenn man uns erinnert, verschließen wir die Ohr’n.
Wir leben ohne Gnade und stoßen uns gesund:
Giganten der Verschwendung mit nimmersattem Schlund.Die Schöpfung ist so wunderbar! –
Aus Finsternis – das erste Licht – der erste Tag.
Himmelszelt und Erde – Land und Meer!Was sie wollte, das geschah! –
Ein Samenkorn – ein Vogelschwarm
Aus dem Nichts gebor’n! –
Doch der Mensch – er wollte mehr!Du und ich, wir wurden wahr –
Weil irgendwann – ein Weg begann –
der Liebe hieß.
Die eine Chance für jeden –
die man uns ließ!Vielleicht bleibt uns noch etwas Zeit
Um zu versteh’n – Gemeinsamkeit
Und Bescheidenheit –
sind der Weg zur Ewigkeit…Wir nennen uns Krone der Schöpfung,
Die Helden der Evolution.
Das Meisterwerk im Universum
Benimmt sich wie die Inquisition.Wir tragen Die Krone der Schöpfung
Eher so wie einen Karnevalshut.
Besoffen vom Größenwahn
Fühlt sich die Menschheit – edel und gut –
Und absolut…Wir stehlen unser’n Kindern die Zukunft ihrer Welt.
Warum in Demut leben, die bringt zuwenig Geld!
Wir opfern uns’re Wälder dem Gott aus Stahlbeton
Und jeder baut sein eig’nes privates Babylon!

Udo Jürgens – Tausend Jahre sind ein Tag (Das letzte Konzert Zürich 2014)

TAUSEND JAHRE SIND EIN TAG

Weißt du wieviel Sterne stehen
Und wohin die Flüsse gehen?
Sag‘, warum der Regen fällt,
Wo ist das Ende dieser Welt?Was war hier vor tausend Jahren?
Warum können Räder fahren?
Sind Wolken schneller als der Wind?
So viele Fragen hat ein Kind…Ach Kind, komm‘ laß die Fragerei’n,
Für sowas bist du noch zu klein,
Du bist noch lange nicht soweit.
Das hat noch Zeit…Refrain
Was ist Zeit? – Was ist Zeit? – Was ist Zeit?
Ein Augenblick
Ein Stundenschlag
Tausend Jahre sind ein Tag!

Wie wird der Mensch zum Nimmersatt,
Wer alles hat, kriegt noch Rabatt,
Und woher kam die Gier nach Geld?
Wie kommt der Hunger auf die Welt?

Warum kommt jemand in Verdacht,
Nur weil er sich Gedanken macht?
Ist man noch frei, wenn man nichts wagt,
Ja, was ein junger Mensch so fragt…

He, junges Volk, was soll denn das?
Und leistet ihr doch erst mal was!
Ihr werdet auch noch mal gescheit.
Das bringt die Zeit…

Refrain
Na, na, na – Na, na, na – (usw.)

Ist diese Welt denn noch erlaubt?
Die Erde ist bald ausgeraubt,
Das Wasser tot, das Land entlaubt,
Der Himmel luftdicht zugeschraubt…

Die schöne Lüge vom Goodwill,
Das hübsche Spiel vom Overkill,
Und wann macht ihr die Waffen scharf?
Wenn ich das auch mal fragen darf…

Das wird verdammt noch mal so sein,
Und wer soll uns das je verzeih’n?
Ich bitt‘ euch, fragt, solang‘ ihr seid,
Ihr seid die Zeit…

Refrain
Na, na, na – Na, na, na –

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