Was sind Versprechen?

Ein Ver-Sprechen ist eine verbindliche Zusicherung oder Erklärung. Versprechen sind wichtige natürliche Werte in unserer Kommunikation und zwischenmenschlichen Kooperation. Es sind Ver-EIN-barungen, die uns Menschen vereinen und Ver-Träge, die unsere Beziehungen tragen bzw. mit deren Realisierung wir uns konfliktfrei „vertragen“ und zusammen leben können.

Es gibt zwei Gründe für die Einhaltung von Versprechen:
1) Menschen halten sich an Abmachungen, weil sie die Erwartungen anderer nicht enttäuschen wollen.
2) Das Halten eines Versprechens stellt einen Wert für sich dar, ist also unabhängig von anderen Personen.

Bildergebnis für freudsche versprecher, beispieleDem realen Verhalten von Menschen liegen meist verschiedene und mehrere Motive zugrunde.
Jedoch legen Menschen natürlicherweise Wert auf die Einhaltung von Versprechen bzw. diese Versprechens-Realisierung stellt einen eigenen Wert dar. Bei kleinen Kindern kann man dies als natürliche Reaktion klar feststellen, wenn sich für Erwachsene die Nichteinhaltung eines Versprechens gegenüber Kindern durch Veränderung von Bedingungen ergibt. („Du hast es aber versprochen!“)

Der Wert „Einhaltung von Versprechen“ ist für vertrauensbasierte und verläßliche Kooperation zwischen Menschen sehr wichtig.
„Ein gebrochenes Versprechen kann ein schlechtes Gewissen verursachen und Angst davor, entdeckt und bestraft zu werden. Oder aber jemand legt Wert auf Ehrlichkeit und hält deshalb seine Zusagen ein.“ (Jaap Denissen, Professor für Psychologie an der HU Berlin)

Nichteinhaltung von Versprechen (oder sogar vertraglichen Vereinbarungen) führt deshalb zum Vertrauensverlust.

Beispiele aus der Politiker, wie Wahlversprechen gebrochen werden:

  • Dr. Norbert Blüm (CDU, Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung),  erstmals im Wahlkampf 1986, wiederholt am 10. Oktober 1997 in einer Debatte im Deutschen Bundestag:  „Die Rente ist sicher“
  • Helmut Kohl (Bundeskanzler, CDU) versprach nach der Integration der DDR in die BRD „blühende Landschaften“  (1.7.1990): „Durch eine gemeinsame Anstrengung wird es uns gelingen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Sachsen und Thüringen schon bald wieder in blühende Landschaften zu verwandeln, in denen es sich zu leben und zu arbeiten lohnt.“ 
  • Angela Merkel: „Man kann sich nicht darauf verlassen, daß das, was vor den Wahlen gesagt wird, auch wirklich nach den Wahlen gilt, und wir müssen damit rechnen, daß das in verschiedenen Weisen sich wiederholen kann.“
  • Angela Merkel„Unsere Kernkraftwerke sind nach Maßgabe dessen, was wir wissen, sicher.“ (2011)
  • Angela Merkel: „Mit mir wird es keine Pkw-Maut geben.“
  • Angela Merkel: „Wir schaffen das.“ (2015)
  • Heiko Maas: „Niemand muß hinnehmen, daß seine legitimen Äußerungen aus sozialen Netzwerken entfernt werden.“ (2017)

Weitere Beispiele und Darstellungen zum Bruch politischer Versprechen

So werden (politische) Versprechen zu falschen Versprechen. Die Folge zunehmender Erfahrung solcher Versprechen ist

Was sind Freud-sche Versprecher?

Ein Versprechen kann auch ein Ver-Sprecher sein.  Versprecher im Alltag („was da alles zum Vorschwein kommt“) sind peinlich, lustig und entlarvend

»Ich will da jetzt kein Brett mehr vor den Mund nehmen!«

Jemand verspricht sich und offenbart damit unfreiwillig, was er vielleicht im tiefsten Herzen empfindet oder wirklich denkt.

Jedem passiert es mal, meistens ist es harmlos, oft wird es nicht einmal bemerkt (weil der Zuhörer den Sinn übersetzt und nicht die genaue Formulierung achtet). Aber manchmal hat ein Versprecher auch einen tieferen psychologischen Sinn, nämlich einen entlarvenden und verräterischen. Aus diesem Grund nennen solche Versprecher  die Wissenschaftler eine „Freud’sche Fehlleistung“. Dies wird mit Bezug auf den berühmten deutschen Psychoanalytiker Sigmund Freud so genannt, der die Bedeutung und Wirkung des Unbewußten erforschte und in der psychologischen Praxis nutzte.  In seinem Werk „Psychopathologie des Alltagslebens“ nahm er die Versprecher unter die Lupe.

Versprecher sind meistens harmlose Kommunikationsereignisse, die jedem und überall passieren.  Einige jedoch nicht. Vor allem diejenigen nicht, die inhaltlich mit hohem Anspruch vorgebracht werden und ganz andere Motive (die „wahre“) verstecken sollen: Deshalb „…sollten wir pfleglicher mit einander untergehen“.

Das Charakteristische der „Freud´schen Versprecher“ (oder „Freud´sche Fehlleistungen“) ist die leichte Erkenntnis: Hiermit verrät sich jemand.

  • Mit einem solchen Versprecher hat sich ein ganz Schlauer selbst überlistet und reingelegt.
  • Hiermit wollte jemand nicht nur etwas verbergen, sondern hier sollte etwas anderes formuliert werden, als der Betreffende wirklich glaubt, denkt, meint, wünscht oder plant.
  • Es ist auch ein wichtiger Unterschied, ob man sich im privaten Alltag verspricht, oder ob jemand („die da oben“) unter öffentlichem Druck und Erwartung steht oder mit öffentlichen Wirkung spricht.

Die meisten Versprecher sind sehr wahrscheinlich einfach nur „Versprecher“, die sprechregulatorisch passierten mit ähnlichen Silben, Worten oder Texten. Jedoch auch in unwichtigen Fälle können sie mit Konflikten einhergehen, die aus dem Bewusstsein verdrängt wurden,  die durch ein einziges Wort oder einen halben Satz wieder an die Oberfläche  kommen .

Bildergebnis für freudsche versprecher, beispieleBildergebnis für freudsche versprecher, beispiele

Beispiele:

  • Sigmund Freud hatte z. B. eine Patientin die sagen wollte: „Meine Eltern haben mich zu einer Protestantin erzogen…“ Sie versprach sich aber und sagte versehentlich (aber aufschlussreich): „Meine Eltern haben mich zu einer Prostituierten erzogen…“
  • Der Satz zur Eröffnung einer Versammlung durch den lustlosen Vorsitzenden: „Hiermit schließe ich die Sitzung“.
  • BRD-Kanzlerin Angela Merkel, November 2016: „Dazu bin ich damals in der DDR nicht froh gewesen, daß das Volk dann was zu sagen hatte, nachdem es das viele Jahrzehnte nicht hatte.“ 
  • Wolfgang Schäuble (CDU, Bundesinnenminister 2008): „Inzwischen eröffnen Computer und Internet ganz neue Austausch- und Informations-Kontrolle … äh … -kanäle über die Grenzen hinweg.“
  • Angela Merkel: “Antisemitismus ist unsere staatliche und bürgerliche Pflicht.”

Die Wirkungen von Freudschen Fehlleistungen sind:

  • Sie bereiten den Zuhörern meist Vergnügen, bringen sie zum Lachen, besonders, wenn sie rang- und status-höhere Menschen passieren. (Die lustigsten TV- Versprecher)
  • Sie bereiten Schadenfreude, die in der zwischenmenschlichen Konkurrenz bedeutsam ist.
  • Sie treten gerade dann vermehrt auf , wenn man unsicher ist, etwas bewußt vertuschen will, von den psychologischen Hintergründen weiß.
  • Viele Menschen merken gar nicht, was sich hier abspielt: „Seelenfrieden durch Unbedarftheit“.

BRD-Kanzlerin Angela Merkel, November 2016: „Dazu bin ich damals in der DDR nicht froh gewesen, daß das Volk dann was zu sagen hatte, nachdem es das viele Jahrzehnte nicht hatte.“

Versprecher im Alltag

– Das war wieder mal ein schöner Verbrecher
– Die reizt nicht mit ihren Geizen
– Du bist mein Ein und O.
– Da muss man sich ein paar Kinder anlegen
– Sei unberuhigt
– Der kommt mir nicht unter die Lippen
– Ich will noch mal resignieren
– Der war ja ekelhart
– Reinen Tisch einschenken
– Wenn er nicht vom Besen gefressen worden wäre
– Hans Dampf in allen Tassen- Auflauftraining
– Da habe ich mich für so ein Süppchen entschlossen
– Gibt mir noch einen Schluck von deiner Zigarette
– Bierisch ernst
– Da könnte ich mich pausenlos besaufen
– Die geht noch einmal um die Runde
– Nen´kleinen Stinkspruch
– Einen schönen Menschen entstellt alles
– Ich fühle mich wie abgestopft
– Es bricht aus allen Nähten
– Ich bin fast aus allen Socken gefallen
– Ich ziehe mich zum Ankaufen schön an
– Puste mal die Zeit aus
– So halb zwölf, älter kann´s noch nicht sein
– Heute, am versoffenen Samstag
– Vergessen sie mich daran zu erinnern
– Mein Geist war willig, doch mein Fleisch war flach
– Ins Grab beißen
– Wenn man die Geschicklichkeit hat, keine Gewissensgebisse zu bekommen
– In Mitteleuropa sind die Temperaturen niedlich- Nur in der Nacht sollten sie mit rechnen Nebel
– Wir bitten die Autofahrer die Gegend weiträumig umzufahren
– Auf der Autobahn Frankfurt
-Köln schneit es in beiden Fahrtrichtungen
– Darauf hinauslausen lassen
– Schließlich kann ich nicht zwei Fliegen auf einmal dienen
– Schweinschwangerschaft
– Man muss die Leute bei der Schlange halten
– Eine Krähe wäscht die andere
– Wir waren Pilze fangen
– Ich weiß nicht, ob das überhaupt Zuchthauspilze sind
– Ich sehe schon, ich lande keinen Blumentopf
– So weit bin ich schon vorgediehen
– Da habe ich mir etwas eingehalst
– Der Mensch ist doch sehr hormonisch
– Man darf sich eben nicht in die Ärzte von Händen geben
– Pestpersonen
– Angora pectoris
– Der Wink mit dem Faulzahn
– Wollen wir theoretische Übungen abführen?
– Wieder einmal landet der Ball im Bett
– Jahresweltbestzeit ist er gesprungen
– Da drücken wir ihnen alles Gute
– Der spült jetzt in einem Düsseldorfer Verein
– Die sitzt fett im Sattel
– Also wenn sie unter Misstrauen hier verbrauchen, ähh…
– Weil die Minderwertsregierung nicht mehr über genügend Stimmen verfügt
– Wir kommen jetzt zur letzten Unterordnung, ähh…
– Das ist jetzt wirlich eine Zwicklage
– So einen wie den pfeif ich doch in der Rauche…
– Unruhestörer
– Zum Urteil verscheitert
– Jemanden über´s Ohr legen
– Krampfpanzer Leopold
– Die Herren des Geldes sitzen noch zu Potte
– Er erste fleischliche Weibergeselle
– Da muss man aufpassen, die sind schweißig am kassieren
– Mit gleicher Münze zurückschlagen
– Untertritts du hier die Unternehmerinteressen?
– Da ging mir ein Groschen auf
– Beim Reden sprechen wir nicht
– Man isst nicht mit vollem Munde
– Der Schauspüler auf der Bühne
– Wir haben uns weggelacht
– Die Panne am Anfang bitten wir zu verzögern
– Das gemeinsamste Kleinsame
– In einem Abfall geistiger Anwesenheit
– Die Diskussion war nicht entsetzlich enthellend
– Ich kann nichts Negateiliges sagen
– Probleme wie du und ich
– Man sollte den Gehörsaal nicht durch Gelächter entweihen
– In Lehrung und forsche
– Hochstuhllehrer
– Der nimmt kein Brett vor den Mund
– Hausschuhabschluss
– Damit haben wir schon 3 Fallbeile
Auswahl aus H. Leuninger: Reden ist Schweigen, Silber ist Gold. Amann-Verlag, Zürich 1993

LITERATUR

  • Bastian, T.: „Was da alles zum Vorschwein kommt!“. Psychologie heute 5 (2001) 60
  • Freud, S.: Zur Psychologie des Alltagslebens. Über Vergessen, Versprechen, Vergreifen, Aberglaube und Irrtum. S. Karger-Verlag, Basel 1904
  • Leuninger, H.: „Reden ist Schweigen, Silber ist Gold. Gesammelte Versprecher. Amann-Verlag, Zürich 1993
  • Leuninger, H.: Neurolinguistik. Probleme, Paradigmen, Perspektiven. … Opladen 1989